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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Lage waren, zu der groß aufgemachten Nationalfeier von Goethes100. Todestag auch nur einen bescheidenen Besitz an klassischenLiteraturdenkmälern aufzuzeigen, und in diesem beschämendenFall haben sich wohl von zwei bis drei Ausnahmen abgesehen alleUniversitätsbibliotheken befunden". 29 1982 beschrieb der Direktoreiner großen Universitätsbibliothek „das Ausmaß, in dem An-tiquariats-Kataloge von deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken(wenn man allein an das Angebot an alten deutschen Druckendenkt) nicht ausgewertet werden [können]", als „einen verborgenennationalen Skandal". 30

Das nationale Interesse und die nationale Verpflichtung sindletzthin anläßlich des drohenden Verkaufs der Oettingen-Waller-steinschen Bibliothek ins Spiel gekommen, aber die Versteigerungder Fürstenberg-Manuskripte hat gezeigt, wie gering das gesetz-geberische und finanzielle Engagement in der Bundesrepublik ist.„Die Zerstreuung eines Besitzes von solchem Gewicht," so einPressekommentar, „wäre in anderen europäischen Ländern, vomäußerst strengen Ostblock ganz zu schweigen, heute kaum nochvorstellbar." 31 Lediglich bei Werken der bildenden Kunst erwachtnoch ein Nationalempfinden, wie anläßlich der Auktion desNachlasses Hirsch deutlich wurde, als bedeutende Stücke wegenihrer Zugehörigkeit zur deutschen Kulturtradition für Museen derBundesrepublik ersteigert wurden. In den zahlreichen Berichten zudiesem Ereignis fehlt jedoch jeder Hinweis darauf, daß die Mu-siksammlung Hirsch in den Besitz der British Library übergegangenist und daß sich die Sammlung von Erstausgaben deutscher undfranzösischer Literatur, die Robert von Hirsch und sein Bruderaufgebaut hatten, jetzt in Harvard befindet.