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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Ein Beispiel: Deutschland hat im siebzehnten und achtzehntenJahrhundert die französische und die englische Kultur mit einerIntensität rezipiert, die im Verhältnis zweier Nationalkulturen kaumihresgleichen hat. Damit nehmen die Übersetzungen französischerund englischer Autoren dieser Epoche einen wichtigen Platz imKernbestand des Archivs ein. Zu den ,Randbeständen' würden alseine wissenschaftlich notwendige Ergänzung die den Übersetzun-gen zugrundeliegenden Originale gehören.

Ein weiteres Beispiel: Die Begegnung mit der griechischen Antikeist ein spezifisches Phänomen des deutschen Geisteslebens imachtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Die vielfältigen Formenund Wirkungen dieser Begegnung verlangen nicht nur, daß diegesamte antike Literatur in den ihre Rezeptionsgeschichte do-kumentierenden Ausgaben im Nationalarchiv präsent gehaltenwerden (diese Literatur gehört als selbstverständlicher Bestandteil indas Archiv jeder europäischen Nation): sie verlangen auch, daßdiese Begegnung in dem dafür allein angemessenen Kontext dereuropäischen Geistesgeschichte dokumentiert wird.

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In dieser erweiterten Form ist der Begriff des Nationalarchivsgeeignet, dem Begriff der Universalbibliothek, der schon zur Zeitseiner Entstehung im neunzehnten Jahrhundert nur mit Mühe zudefinieren war, einen präzisen Sinn zu geben. Ein universalerBestandsaufbau ist heute für keine Bibliothek mehr möglich, undunter den wissenschaftlichen und finanziellen Bedingungen derGegenwart erweist sich die Selektion als unumgänglicher denn je.Definiert man dieangemessene Auswahl" bei der Beschaffungfremdsprachlicher historischer Literatur durch ihren funktionalenBezug zum Korpus der Nationalliteratur, dann lassen sich Zu-fälligkeit und Beliebigkeit weitgehend ausschalten und Lückengezielter schließen, als es sonst möglich wäre.

Der Begriff Nationalarchiv liefert nicht automatisch die Beschaf-fungsrichtlinien für die bibliothekarische Praxis, aber er verdeutlichtzweierlei: daß der Aufbau eines Nationalarchivs ein Vorhaben ist,bei dem Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung zu-sammenwirken können und zusammenwirken müssen; und daß derumfassende Ausbau historischer Buchbestände als Aufgabe der

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