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solcher Phänomene ist auch in einem Land wie Deutschland mitseiner ausgeprägten Regionalkultur begrenzt. Für jede über das reinRegionale hinausgehende wissenschaftliche Fragestellung bieteteine regionalisierte Archivierung historischer Literatur notwendi-gerweise nur eine fragmentarische Quellenbasis. Diese Quellenbasissplittert sich umso nachhaltiger auf, je stärker die regionale Ver-antwortlichkeit unter Zurücksetzung der nationalen herausgekehrtwird.
IV
Die Probleme, die sich hier ergeben, betreffen nicht nur einzelneDisziplinen wie die Germanistik, die Geschichte oder die Phi-losophie. Sie sind auch nicht nur Probleme der geisteswissen-schaftlichen Forschung und der staatlichen Fürsorge für bestimmteWissenschaftsbereiche. Es sind kulturpolitische Probleme funda-mentaler Art, an denen sich gravierende Mängel der nationalenÜberlieferungspflege in der Bundesrepublik erweisen.
Die Teilung Deutschlands am Ende des Zweiten Weltkrieges hatdazu geführt, daß für beide Einzelstaaten kulturelle Traditions-lücken entstanden sind. Die ehemals vorhandenen Bestände anmateriellen Kulturgütern sind auseinandergerissen worden. Nichtselten spielten Zufall und Willkür eine Rolle in ihrer heutigenVerteilung. Das sinnfälligste Beispiel sind die beiden Bibliotheken,die als Nachfolgeinstitutionen der Preußischen Staatsbibliothekexistieren. Jede entbehrt notgedrungen das, was die andere besitzt.Teilweise geht der Riß der Trennung bis ins einzelne Objekt. Soliegt, ein Beispiel für viele, die Originalhandschrift von BachsMatthäus-Passion zur Hälfte in der Deutschen Staatsbibliothek inOst-Berlin und in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz inWest-Berlin.'9
Jeder der beiden Staaten hat es auf seine Weise unternommen, dieTraditionslücken zu schließen. Diese ,Lückenschließung' bestehtnicht zuerst in einer aufs Geratewohl vorgehenden Ersatzbeschaf-fung materieller Kulturgüter. Sie besteht vorrangig in einer ideo-logischen Projektion, in der retrospektiven Festlegung des Profils,
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