Druckschrift 
Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

HPK

Illlp'V^

129

die sich in ihrem Raum aufgrund des Pflichtexemplarrechts desGegenwartsschrifttums annehmen. Dabei kann der Begriff Re-gionalschrifttum enger oder weiter ausgelegt werden. Die Intensitätder Sammeltätigkeit ist jedoch im Rahmen der jeweils gegebenenfinanziellen Möglichkeiten ausschließlich eine Sache des insti-tutionellen Pflichtbewußtseins und darüber hinaus des persönlichenEngagements der mit den entsprechenden Aufgaben betrautenBibliothekare.

Diese durch Konsens und Konvention bestimmte Projektion desPflichtexemplarprinzips in die Vergangenheit mag für regional-historische oder regionalbibliographische Belange zureichend sein.Sie kann jedoch nicht zu Ergebnissen führen, die selbst beibescheidenen Ansprüchen unter den Prämissen geisteswissenschaft-licher Arbeit als forschungsgerechte Erfassung der nationalenLiteratur angesehen werden könnten.

Ein Beispiel: Karl Immermann als Autor des frühen neunzehntenJahrhunderts. Bei den etwa 35 bis kurz nach seinem Tode er-schienenen Werken treten als Verlagsorte auf: Berlin, Düsseldorf,Elberfeld, Hamburg, Hamm, Köln, Leipzig, Magdeburg, Münsterund Tübingen. Nach dem Regionalprinzip wären damit für dieSammlung Immermanns drei nordrhein-westfälische Bibliotheken,die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, die Staats- undUniversitätsbibliothek Hamburg und die Badische Landesbiblio-thek in Karlsruhe zuständig. Für die in Leipzig und Magdeburgerschienenen Schriften gibt es keine westdeutsche Zuständigkeit.Damit löst sich die nationale Präsenz Immermanns in ein Spektrumlokal interessanter Impressen auf. Zum Glück hat sich das Düs-seldorfer Heine-Archiv seiner angenommen. 12

Ein zweites Beispiel: Friedrich Heinrich Jacobi als Autor derGoethe-Zeit. Sein erstes Werk erschien in Leipzig, und auch diespäteren zu Lebzeiten veröffentlichten Schriften haben größtenteilsnicht-westdeutsche Verlagsorte: Breslau, Riga, Königsberg. Etwazwei Drittel seiner Publikationen fallen durch das westdeutscheRegionalraster hindurch. Anders als bei Immermann fehlt hier eineStelle, die sich seines Werkes besonders annimmt. 13

Um

ij '&,

tm

.!

i:

wn

OK H

WB

NJ