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Frankfurt. Für Heinrich von Kleist ist die Frage nach einervollständigen Sammlung der frühen Drucke schon schwierig zubeantworten, ebenso für Eichendorff, Raabe und viele andereAutoren. 3 Doch abgesehen von der Literatur: wo haben die WerkeKants ihren natürlichen Aufbewahrungsort, wo präsentiert sich dasWerk Justus von Liebigs als Teil der geistigen Tradition Deutsch-lands, wo das Wilhelm von Humboldts, Theodor Mommsens,Albert Einsteins?
Gesetzt, man wollte die wichtigen Autoren sammeln. Dann fehlendie wissenschaftlichen Bibliographien, wie sie etwa für englischeund amerikanische Autoren gang und gäbe sind. Bibliographiensetzen häufig druck- und publikationsgeschichtliche Untersuchun-gen voraus. Auch daran fehlt es, denn es gibt keine Kataloge, ausdenen jene Quellen ermittelt werden könnten, die für solcheUntersuchungen notwendig sind. Kurzum: wenige große Natio-nalliteraturen - verstanden im weitesten Sinne des Wortes - sind sounsystematisch gesammelt und so unzureichend erschlossen wie diedeutsche.
II
Nutzen und Notwendigkeit einer möglichst lückenlosen Sammlungdes nationalen Schrifttums wurden früh empfunden. So empfahlGoethe „jedem aufmerksamen Bibliothekar", eine Sammlung „dersämtlichen Ausgaben unsres Wielands" anzulegen, denn „allein ausden stufenweisen Korrekturen dieses unermüdet zum Bessernarbeitenden Schriftstellers" würde „ein fleißiger Literator... dieganze Lehre des Geschmacks entwickeln können". Die Bemerkungfindet sich in dem Aufsatz „Literarischer Sansculottismus" (1795),der auf die Entstehungsbedingungen klassischer Literaturwerkeaufmerksam macht und dabei das Fehlen einer „allgemeinenNationalkultur" in Deutschland bedauert. 4
III
Die Archivierung nationalen Schrifttums ist aufs engste mit derEinführung des Pflichtexemplarrechts verbunden, das heißt: mit derdurch Gesetz geregelten Ablieferung von Druckerzeugnissen anBibliotheken. Die Anfänge dazu, teilweise mit der Ausübung der