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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
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3. Archivierung der Nationalliteratur

Eine forschungsgerechte Erfassung derNationalliteratur ist eine grundlegendeAufgabe jedes nationalen Bibliothekswe-sens.

Horst Kunze (1970)

Tradition, wörtlich übersetzt, bedeutetnichts als ein Weitergeben. Wem, wennnicht künftigen Generationen, sollte sieetwas weitergeben? und was könnte sieweitergeben, wenn nicht etwas, das schonvorhanden wäre? Genauer gesagt, meintdie Tradition dasjenige aus der Vergan-genheit, was Zukunft ermöglicht.

Wolf von Niebelschütz(1948)

I

Es hat uns nicht gutgetan, Lessing zu vergessen. Wir sollten es niewieder tun." So schloß der damalige Bundespräsident Walter Scheelseine Rede zum 250. Geburtstag Lessings. 1 Gesetzt, man wollte sich,um Lessing nicht zu vergessen, seine Werke in der Form vor Augenführen, in der sie ursprünglich an die Öffentlichkeit kamen. Wowäre das möglich? Auf eine entsprechende Frage gibt es inFrankreich, England und vielen anderen Ländern eine selbstver-ständliche Antwort: in der Nationalbibliothek. In der Bundes-republik fehlt ein solcher natürlicher Ort für die Aufbewahrung desnationalen Schrifttums, und es ist ein Symptom der vielberufenenVielfalt der deutschen Kultur, daß man nach den Orten suchenmuß, wo die großen deutschen Autoren - nicht selten zufällig - inihrem Werk physisch präsent sind.

Die größte Lessing-Sammlung dürfte sich in der Herzog AugustBibliothek befinden, Lessings letzter Wirkungsstätte. 2 Aber ist sievollständig? Schillers Werke sind in Marbach verfügbar, Goethes in

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