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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Unter den die kulturelle Überlieferung bewahrenden Institutionensind die Bibliotheken den stärksten und vielfältigsten Anforde-rungen ausgesetzt gewesen, und der Benutzungsdruck hat sich beiihnen bis heute kontinuierlich gesteigert. Über fast alle bedeutendenBibliotheken ist in den letzten zwanzig Jahren eine ,Forschungs-welle' riesigen Ausmaßes hinweggegangen, die in nicht wenigenFällen im Hinblick auf ihre Konsequenzen seitens der Biblio-theksverwaltungen als Sturmflut empfunden worden ist.

Die unmittelbar sichtbare Auswirkung war eine Abnutzung derBestände, wie sie vordem niemals in so kurzer Zeit zu beobachtenwar. Die Einzelbenutzung nahm zu, vor allem aber führte dieAusbildung von Forschungstrends und Forschungsmoden zurDauerbeanspruchung von Teilbeständen, vornehmlich im Bereichder Altbestände. Die fast gleichzeitige Einführung der modernenKopiertechnik brachte eine zusätzliche Belastung und zog Ein-bandschäden beträchtlichen Umfanges nach sich.

Weniger offensichtlich, aber nicht weniger bedeutsam war eineUnsicherheit in der Verwaltung von Bibliotheksbeständen, die sichaus der plötzlichen Massenbenutzung ergab. Traditionell war derBibliothekar der ,Hüter' seines Bestandes . Die zahlreichen Bei-spiele der Bibliotheksgeschichte für die Fernhaltung des Lesers vomBuch zeigen diese auf Bestandserhaltung gerichtete Einstellung.Vielerorts verlieh sie den Bibliotheken einen musealen Charakter.Unter dem Eindruck der neuen, selbstbewußt und gelegentlichsogar aggressiv auftretenden Benutzerschaft wandelte sich in zahl-reichen Fällen die bibliothekarische Einstellung. Sie wurde ,le-serorientiert', und das vorrangige Ziel wurde nun in einer möglichstweitgehenden Öffnung der Bestände für eine Inanspruchnahmegesehen, der häufig genug die Schonung des Buches gleichgültigwar. Auf diese Weise trugen auch die Bibliotheken durch eine zuweitgehende Leserfreundlichkeit zur Schädigung der Bestände bei.

Inzwischen ist das Pendel wieder in die andere Richtung aus-geschlagen. Der offensichtliche Raubbau an den Beständen hatneue Restriktionen in ihrer Verwaltung bewirkt, die in ihrer Schärfe

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