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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Beständen, die im Bibliothekswesen die BezeichnungAltbestände"haben. Die Schaffung dieses Reservoirs ist eine ausschließlichbibliothekarische Aufgabe, deren zufriedenstellende Lösung einewissenschaftliche Tätigkeit überhaupt erst möglich macht. Ebensounentbehrlich wie die Existenz des Reservoirs ist seine Erschlies-sung. Die damit verbundenen Aufgaben fallen Bibliothek undWissenschaft gemeinsam zu, und sie werden auch seit dem neun-zehnten Jahrhundert gemeinsam wahrgenommen.

Der bibliothekarische Anteil an der Erschließung des Quellen-reservoirs erstreckt sich in der Regel auf die Herstellung vonBestandskatalogen, der wissenschaftliche auf die Herstellung vonBibliographien zu bestimmten Themen oder Sachgebieten. Diebeiden Arbeitsrichtungen zeigen das Material aus entgegengesetztenPerspektiven. Aus der bibliothekarischen Perspektive bietet sich dasdar, was vorhanden ist, aus der wissenschaftlichen das, wasvorhanden sein sollte. So erklärt sich die Unterschiedlichkeit vonReaktionen: die relative bibliothekarische Zufriedenheit mit demUmfang und der Qualität derAltbestände" in der Bundesrepublikund die beständige Klage der Wissenschaft über die Nichter-reichbarkeit von Literatur.

Wenn sich - ein nicht eben häufiger Fall - im BibliographenBibliothekar und Wissenschaftler vereinigen, bietet sich dem Bi-bliothekar das nationale Reservoir aus der für den Wissenschaftlerüblichen Perspektive dar. So Wilhelm Erman, dem Bonner Bi-bliotheksdirektor (1907-1920) und Bearbeiter der Bibliographie derdeutschen Universitäten, die, im Auftrage des Preußischen Un-terrichts-Ministeriums zusammengestellt, 1904 erschien. In ErmansVorwort findet sich eine Situationsbeschreibung von klassischerGültigkeit:

Zum Schluß sei es mir gestattet, auf den großen, oft, aber bisher immer vergeblichbeklagten Mangel unseres gesamten, sonst so reich entfalteten wissenschaftlichenBibliothekswesen hinzuweisen, der sich mir während der langen Dauer dieser Arbeitoft auf das empfindlichste fühlbar gemacht hat: das Fehlen Einer deutschenNationalbibliothek, der vor allen anderen Aufgaben das Ziel möglichst vollständigerSammlung aller literarischen Denkmäler deutscher Geschichte, Kultur und Literaturgesteckt ist.