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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Bibliotheken einen Duktus des gedanklichen Entwurfs ermöglicht,der anderwärts nicht oder nicht ohne weiteres zu erreichen ist. Diesist besonders auffällig bei Arbeiten, die thematisch nur schwer ineiner Fachsystematik unterzubringen sind oder die mehrere Gebietein ungewöhnlicher Weise vereinigen.

Was sich hier abspielt, ist gewiß kein Exodus der Forschung, abereine merkliche Ablösung einzelner Forscher von den institutio-nellen Voraussetzungen, die ihre Arbeit tragen sollten, aber offenbarnicht in der wünschenswerten Art tragen können. Das Phänomenscheint eher strukturelle als quantitative Ursachen zu haben. DieGröße von Literaturreservoiren spielt ohne Zweifel eine Rolle, dochnoch wichtiger scheint die Form der Präsentation zu sein, jeneunmittelbare ,Eingängigkeit', die auch von bibliothekarischer Seitean den Gegebenheiten in der Bundesrepublik vermißt wird." In derAuseinandersetzung mit seinem Gegenstand ist der Forscher aufeinen unmittelbaren ,response', einen ,Widerhall' aus der Literaturangewiesen, und er sucht, wenn immer es ihm möglich ist, die Stelleauf, wo sich ihm dieser ,response' am besten bietet.

Die Defizite der institutionellen Voraussetzungen in der Bundes-republik wirken sich subtiler aus als meist angenommen wird. Sieverhindern nicht die wissenschaftliche Arbeit, obwohl die Be-einträchtigungen durch die Verzögerungen im Leihverkehr ofterheblich sind. Sie fördern die Dissoziation dessen, was innovativund einfallsreich ist, von dem, was als bloß routiniert und kon-ventionell gelten muß. Da die geisteswissenschaftliche Forschung inDeutschland seit jeher durch eine breitangelegte Quellenarbeit inVerbindung mit spekulativen Neuansätzen gekennzeichnet ist, sinddie Gefahren dieses Prozesses besonders groß. Sie können dort zueinem Bruch in der nationalen Forschungstradition führen, wo erunter allen Umständen vermieden werden sollte.

III

Die erste und wichtigste Grundlage jeder geisteswissenschaftlichenForschung ist ein möglichst gleichmäßiges und umfassendes Re-servoir an Quellenliteratur. Es besteht aus jenen historischen

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