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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
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Wenn Arbeiten, wie wir sie hier für ein kleines Gebiet unternommen und bei derbeklagenswerten Zersplitterung des zu benutzenden Büchermaterials trotz einesungeheuerlichen Aufwandes von Zeit und Arbeitskraft doch nur in unvollkommenerWeise durchführen konnten, künftig leicht und in einer allen Anforderungengenügenden Weise ausführbar werden sollen, so muß hier erst Wandel geschaffenwerden. Der von Preußen begonnene Gesamtkatalog seiner großen Bibliothekenwird, vorausgesetzt daß sich ihm später die bedeutendsten außer-preußischendeutschen Bibliotheken anschließen, zur Erleichterung solcher und ähnlicher einvollständiges literarischen Quellenmaterial voraussetzender Arbeiten nicht unwe-sentlich beitragen: Ersatz für eine möglichst vollständige Vereinigung des Bü-chervorrats selbst in Einer Bibliothek wird er nicht bieten. Den höchsten An-forderungen werden solche Arbeiten nur dann genügen können, wenn sie dasgesamte Material in natura an einer Stelle zur Bearbeitung und Vergleichung dauerndbereit finden. Die Benutzung der vorübergehend aus zahlreichen Bibliothekenzusammengeliehenen Bücher bietet dafür keinen vollen Ersatz und ist für um-fangreichere Arbeiten viel zu schwerfällig.

Welche Schwierigkeiten heut zu überwinden sind, um das Quellenmaterial füreinzelne Gebiete zusammenzubringen, und wie wenig der unserer Arbeit zu Grundegelegte Bestand der größten deutschen Bibliothek den für solche Arbeiten zustellenden Anforderungen genügt, mögen folgende Zahlen beweisen: Von den...verzeichneten 54 Fechtbüchern waren in der Berliner Königlichen Bibliothekvorhanden: 18; auf 12 verschiedenen anderen Bibliotheken wurden aufgefunden: 25;auf keiner deutschen Bibliothek wurden ermittelt: 11. Von den... verzeichneten 340Kommersbüchern waren in der Berliner Königlichen Bibliothek vorhanden: 73; auf22 verschiedenen Bibliotheken wurden aufgefunden: 111; nach Privatexemplarenwurden beschrieben: 47; gar nicht aufgefunden wurden: 109. Von den... ver-zeichneten 32 Werken mit bildlichen Darstellungen des Studentenlebens waren inder Berliner Königlichen Bibliothek vorhanden: 4; in 8 anderen Bibliotheken undKunstsammlungen wurden aufgefunden: 11; in einem Privatexemplar wurde be-nutzt: 1; gar nicht aufgefunden wurden: 16.

So kläglich ist der Besitzstand unserer Bibliotheken sogar auf Gebieten, die doch einallgemein deutsches Interesse haben. 13

Erman war der letzte dezidierte Befürworter der Nationalbibliothekin der wilhelminischen Ära. Es gibt kein zwingenderes wissen-schaftliches Argument für eine solche Bibliothek, als er es vor-gebracht hat, und seine Aufdeckung der defizitären Vorausset-zungen für die Forschung hat noch heute dieselbe Bedeutung wie inder Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Es stellt sich sogar die Frage, obErman seine Kritik nicht zu einem Zeitpunkt vorbrachte, als diehöchste Konzentration von Quellenmaterial erreicht war, die esjemals in Deutschland gegeben hat. Seit 1914 jedenfalls wurde keinsystematischer Versuch eines retrospektiven Bestandsaufbaus aufnationaler Ebene mehr unternommen. Entweder waren die fi-

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