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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Jenseits der einzelnen Bibliothek ist jedoch das Forschungspotentialdes in der Bundesrepublik vorhandenen Literaturreservoirs schwer-lich adäquat einzuschätzen. Aussagen über einen größeren Teil-bestand oder gar über den Gesamtbestand sind praktisch nichtmöglich. Weder ist der Anteil der für die geisteswissenschaftlicheArbeit in Frage kommenden Literatur bestimmbar, noch lassen sichgenerell über Art und Größe der historischen Bestände zutreffendeAngaben machen.

Vom Standpunkt des Benutzers sind zwei allgemeine Feststellungennegativer Art zu treffen. Zum einen handelt es sich um einen weitgestreuten Bestand. Ungeachtet der Tatsache, daß für bestimmteZeiträume und bestimmte Gebiete in einzelnen Bibliotheken be-trächtliche historische und moderne Bestände anzutreffen sind, istzeitlich oder sachlich zusammengehöriges Schrifttum aus biblio-thekshistorisch oder bibliothekspolitisch zu erklärenden Gründenhäufig über eine Vielzahl von Bibliotheken verteilt und für For-schungszwecke in der Regel nicht an einem Ort zu vereinigen. Beiliteraturintensiven Arbeitsvorhaben decken die Bestände einer oderzweier Bibliotheken nur in Ausnahmefällen den Bedarf.

Die zweite Feststellung betrifft die ungleiche Dichte der Bestände.Die Prinzipien des systematischen Bestandsaufbaus für Forschungs-zwecke sind in Deutschland entwickelt und in der zweiten Hälftedes achtzehnten Jahrhunderts in Göttingen auch praktiziert worden,aber im neunzehnten Jahrhundert - dem im internationalen Kon-text entscheidenden Zeitraum - nur in unzureichender Weise zurAnwendung gekommen. Zwischen 1815 und 1885 erfolgte ausverschiedenen Gründen an keiner deutschen Bibliothek in zu-reichender Weise ein systematischer und konsequenter Aufbau desBestandes an in- und ausländischer Literatur. 2 Erwerbspläne füreinen parzellierten Aufbau existierten nur streckenweise. DasErgebnis ist ein lückenhafter Bestand. Das gilt auch dann, wenn derkollektive Bestand aller Bibliotheken als Äquivalent einer nichtvorhandenen Zentralbibliothek oder Nationalbibliothek genommenwird. 3

Die bis 1939 akkumulierten Bestände sind im Zweiten Weltkriegdezimiert worden. Die Verluste - von kleinen Schäden bis zur

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