Druckschrift 
Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

51

Erfordernissen der Wissenschaft genügte, noch ein konkurrenz-fähiges System, das als Äquivalent zu dem in den Zentralbi-bliotheken des Auslands konzentrierten Forschungspotential hättegelten können. Der Historiker Johannes Haller sah in derstief-mütterlichen Behandlung" der Bibliotheken in der Ära Althoff einfolgenschweres, nie wieder gutzumachendes Versäumnis und in derEinführung des kompensatorischen Leihverkehrseine Aushilfe,die auf den ersten Blick glücklich erscheinen konnte, auf die Daueraber sich als verhängnisvoll erwies". Sein Fazit:Im Zeitalter derdeutschen Weltpolitik hörte das gelehrte Deutschland auf, sich umdas zu kümmern, was draußen in der Welt gedruckt wurde. VonAmerika wurden wir vollständig überholt." 64

IV

Die Zeit zwischen 1918 und 1945 war, aufs Ganze gesehen, eineEpoche der Konsolidierung der durch die Althoffschen Reformengeschaffenen Strukturen. Diese Konsolidierung kam einerseits unterdem Druck äußerer Umstände zustande, andererseits war sie dasErgebnis einer Bereitschaft zu ,kleinen Lösungen'. Die Entwicklungwurde vor allem durch drei Faktoren bestimmt: die Literaturnotnach dem Ersten Weltkrieg, die allgemeine Ausdehnung desLeihverkehrs und den Antagonismus zwischen den Institutsbi-bliotheken und den zentralen Universitätsbibliotheken.

Wenn die für die geisteswissenschaftliche Forschung verfügbarenRessourcen schon vor der Jahrhundertwende, zu Beginn desZeitalters derGroßwissenschaft" (Mommsen), 65 unzureichendwaren, so verschlechterte sich die Situation nach 1918 in einem bisdahin kaum vorstellbaren Maße. Die inländische Literatur konntevielfach nur noch bruchstückhaft beschafft werden. An auslän-discher Literatur mangelte es noch stärker, und dieser Mangelwurde nun nicht mehr nur von Sachkennern bemerkt.

Schon J909 war der Vorschlag gemacht worden (doch wirkungslosgeblieben), das Reich solle der Königlichen Bibliothek jährlicheinen Zuschuß von 50-100.000 Markzur Anschaffung der sel-teneren fremdsprachlichen Literatur" gewähren. 66 Während des

m i

m&

Wsßem

^ÜHS

Oj&ggijjgx

*£f$liPl

»JP

1