47
gungssystem etablierte. Angesichts ihrer geringen Erwerbungsetatsgaben die Bibliotheken ihre Zustimmung; gelegentlich trat dieVerordnung an die Stelle der Zustimmung. Auf Betreiben Althoffserfolgte 1897 eine generelle Ausdehnung auf die höheren Lehr-anstalten, um „den Lehrern die Erlangung der für ihre wissen-schaftlichen Arbeiten erforderlichen Literatur zu erleichtern". 44
Die kurzfristige Etablierung und die schnelle Ausdehnung desLeihverkehrs auf eine relativ große Zahl von Bibliotheken erfolgteohne Rücksicht darauf, daß zureichende Nachweisinstrumente fürden Buchbestand fehlten. Der Gesamtkatalog, erst 1896 projektiert,konnte frühestens nach einem Jahrzehnt in Ansätzen wirksamwerden. Notmaßnahmen waren daher unvermeidlich. Die erste, diezu einer Dauerinstitution werden sollte, war das auf AlthoffsVeranlassung 1905 errichtete Auskunftsbureau der deutschen Bi-bliotheken, das auf individuelle Anfrage Standortnachweise gabund bibliographische Informationen vermittelte. Es war bald un-entbehrlich, doch schon nach wenigen Jahren über seine Lei-stungsfähigkeit hinaus beansprucht. 45
Die Rotation der Buchbestände begann langsam, steigerte sich abervon Jahr zu Jahr. Das Prinzip, daß lückenhafte Teilbestände sich zurVollständigkeit ergänzen würden, sobald jeder Zugriff auf alleshatte, mußte zwangsläufig zu einer Situation führen, in der nie-mandes Literaturbedarf mehr ausreichend gedeckt werden konnte.Ernsthafte Dysfunktionen des Systems traten bereits um 1910 auf,als der kompensatorische Leihverkehr, gemessen an heutigenMaßstäben, noch in den Anfängen steckte.
Die Universitätsbibliotheken vegetierten unterhalb eines Existenz-minimums. 46 1910 wurde ihr Mindestetat mit 50.000 Mark ver-anschlagt. Von neunzehn Universitätsbibliotheken lagen zwei(Leipzig und Straßburg) knapp darüber, alle anderen darunter. Zehnhatten die Hälfte oder weniger, den Schluß bildete Jena mit 15.000Mark. 47 Die Literaturversorgung am Ort war entsprechend. Nur inBonn und Halle waren siebzig Prozent der verlangten Werkeverfügbar, in der Regel etwa sechzig, an der jungen UniversitätMünster weniger als die Hälfte. Im Schnitt fehlten an den Uni-versitätsbibliotheken von hundert erforderlichen Büchern etwa
Wm
mm
m
III
I *&
^m