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Die Verhältnisse in Berlin waren besser. Von hundert verlangtenBüchern waren 1905/06 etwa sieben und 1911/12 etwa fünf nichtvorhanden. Indessen erhielt man von vier bestellten Büchern nurdrei, weil Ausleihe und Leihverkehr die Bibliothek übermäßigbeanspruchten. In der Verfügbarkeit von Literatur schnitt dieKönigliche Bibliothek trotz ihrer größeren Bestände nur wenigbesser ab als die guten Universitätsbibliotheken (Halle und Bonn).In seinem Jahresbericht von 1911/12 bezeichnete Harnack dieErwartung, daß die Zahl der jeweils entliehenen Bücher unterfünfzehn Prozent sinken könnte, als „eine trügerische Hoffnung". 49
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Die Situation verschärfte sich dadurch, daß seit den neunzigerJahren Institutsbibliotheken als Präsenzbibliotheken eingerichtetwurden. Das geisteswissenschaftliche Seminar, bereits im acht-zehnten Jahrhundert bekannt, 50 gewann im neunzehnten zuneh-mend an Bedeutung. Es stellte für Lehre und Forschung einemögliche und auch effiziente Organisationsform dar, die ihrenUrsprung in der fortschreitenden Spezialisierung der Wissenschaftwie in der geringen Leistungsfähigkeit der universitären Allge-meinbibliotheken hatte. 51 Die Ausstattung von Seminaren miteigenen Bibliotheken war eine Neuerung der Ära Althoff, die vorallem auf eine Empfehlung des Altphilologen Studemund zu-rückging. 52 In ihrer Frühzeit dienten die Institutsbibliotheken inerster Linie der Literaturversorgung des akademischen Studiums.1893 wurde der Gesamtbestand von 114 Instituten auf 100-200.000Bände geschätzt, also höchstens 1.750 Bände pro Institut, 1904/05bei 367 Instituten auf 616.900 Bände, also 1.680 Bände proInstitut. 53
Die rasche Vermehrung der Institute hatte zwei Folgen. Einmalführte sie zu einer - vielfach bis heute nicht beseitigten - Rivalitätzwischen den Instituts- und den Universitätsbibliotheken. Zumanderen schwächte die Abzweigung von Mitteln die zentralenBibliotheken. Es entstanden - übergangsweise, wie sich heuteerkennen läßt - wissenschaftliche Einrichtungen von begrenzterLeistungsfähigkeit um den Preis einer weiteren Reduktion derUniversitätsbibliotheken. Der Präsenzcharakter der häufig örtlich
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