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rakter unserer Cultur". Durch die bloße Präsenz der Kataloge würde„die Berliner Bibliothek ohne romanischen Zwang, ohne Benach-theiligung der Provinzen, nach unserer freien deutschen Weisedereinst eine Centralstelle der nationalen Gelehrsamkeit werden,ähnlich der Pariser Nationalbibliothek".
Obwohl auf schnelle Wirkung angelegt, brachte Althoffs Plan keinebaldige Veränderung. Der Ausbau der Berliner Bibliothek wurdezwar in den nächsten Jahrzehnten energisch vorangetrieben, so daßsich ihre Geschichte zwischen 1885 und 1914 unter bibliothe-karischen Aspekten als eine Geschichte von Leistung und Erfolgdarstellt. Aber die Bestandsvermehrung führte nicht zu eineradäquaten Literaturversorgung der Forschung. Die Bibliothekerreichte weder das für eine Nationalbibliothek noch das für eineForschungsbibliothek erforderliche Niveau, und sie holte denVorsprung der Bibliotheken in London und in Paris nicht ein.
Ein Erlaß von 1885 legte das Erwerbungsprogramm fest. Danachsollte „in möglichster Vollständigkeit die deutsche und in an-gemessener Auswahl auch die ausländische Literatur" gesammeltwerden. 26 Die Ergebnisse entsprachen auch nach zwei oder dreiJahrzehnten nicht den mit dem Erlaß verbundenen Erwartungen.Bei der Übernahme des Generaldirektorats hob Adolf von Harnackals „einen besonders wichtigen Punkt" die Lücken in den Be-ständen an ausländischer Literatur hervor. Die wissenschaftlicheund kulturelle Mittlerrolle, in der Harnack Deutschland sah,beruhte auf der „entscheidenden Voraussetzung" eines genügendgroßen Vorrats an ausländischer Literatur. Aber diese Literatur warin der Königlichen Bibliothek „nicht hinreichend" vertreten. NachHarnacks Auffassung konnte sich die Bibliothek „in dieser Hinsichtmit dem Britischen Museum und der Bibliothek in Washingtonnicht messen". 27
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Für die deutsche Literatur galt ähnliches. Als Erster Direktor derBibliothek kam Paul Schwenke 1912 zu der Erkenntnis, daß dieKönigliche Bibliothek nicht als wirkliche Nationalbibliothek an-gesehen werden könne: „Was der Königlichen Bibliothek imVergleich mit jenen grossen Nationalbibliotheken fehlt, das liegt vorallem auf dem Gebiete der heimischen Literatur: das letzte Drittel
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