41
Nation zu nehmen": es war auch für die Forschung ein un-abdingbares Arbeitsinstrument zu schaffen, dessen sie seit längerembedurfte. Nach der „glücklichen Konsolidierung" der Nationgehörte die Verbesserung „einer der schlechtesten der jetzt vor-handenen großen Bibliotheken" zu den „größeren, schwierigeren,aber auch freudigeren Aufgaben", die im Inneren zu lösen waren.Mommsen erhoffte sich, daß der Staat „für Kunst und Wissenschaftdasjenige tun [werde], was von oben her dafür geschehen kann, undwas die deutsche Gelehrsamkeit allein nicht mehr zu leisten imstände ist". Das Bibliotheksproblem war damit zu einem Politikumgeworden. 20
Ein praktikables Konzept für den Ausbau der Bibliothek gab esnicht. Der Ägyptologe Richard Lepsius, der die Bibliothek von 1873bis 1884 leitete, skizzierte in einer Denkschrift, die unter dieklassischen Dokumente der deutschen Bibliotheksliteratur gehört,die Idee einer Universalbibliothek von Weltrang. Adolf von Har-nack, ab 1905 Generaldirektor, hatte die Vorstellung von einerForschungsbibliothek internationalen Formats. 21
In den beiden Jahrzehnten zwischen Lepsius und Harnack wurdeein anderes Reformkonzept realisiert: das von Friedrich Althoff, derim Zuge seiner auf alle Gebiete des damaligen Wissenschafts-betriebs zielenden Reformen und Neuerungen auch eine durch-greifende Modernisierung' des Bibliothekswesens anstrebte. 22 SeineAbsicht war, angesichts der etablierten Nationalbibliotheken inEngland und Frankreich und auch in den Vereinigten Staaten ein,deutsches Modell' zu präsentieren, das schnell und mit geringemAufwand in ein funktionsfähiges System umzusetzen war.
Bei der Lückenhaftigkeit der Berliner Bestände und bei der weitenStreuung des Buchbesitzes in Preußen und in Deutschland ließ sicheine Konzentration, und das war der Grundgedanke der Reform,am leichtesten durch virtuelle Zentralisierung bewerkstelligen. Siesollte darin bestehen, daß die Kataloge der größeren preußischenBibliotheken (sämtlich Universitätsbibliotheken) in einem Zweit-exemplar in der Königlichen Bibliothek bereitgestellt wurden.Damit sollte sich automatisch ein Literaturreservoir großen Aus-maßes ergeben, das im Hinblick auf die Zentralbibliotheken des
«ei««
huHH
Wk
WM