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mehr als einem halben Jahrhundert inadäquates Bibliothekssystemvorfand. 12
Die Situation im Ausland, vornehmlich in England, war anders.Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg die Bibliothek des BritischenMuseums zu einer Nationalbibliothek und wissenschaftlichenZentralbibliothek von internationaler Bedeutung auf. 13 AntonioPanizzi knüpfte bei seinen Ausbauplänen an die Göttinger Bi-bliothek an, die er aus eigener Anschauung kannte. 14 Der Neubauder Londoner Bibliothek mit ihren damals hochmodernen Ma-gazinen und ihrem noch heute zweckentsprechenden Lesesaal -„destine ä servir de type", wie Prosper Merimee vermerkte - wurde1857 eröffnet. 15 Ab 1881 erschien der große gedruckte Katalog. 16Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Britische Museum sei-nerseits zur Modellinstitution geworden. Rückwirkungen aufDeutschland hatte diese Entwicklung ebenso wenig wie der nichtminder augenfällige Ausbau der Nationalbibliotheken in Frank-reich und in den Vereinigten Staaten. 17 Am Ende des Jahrhundertsließ sich, so Karl Dziatzko in seinem Bericht, „nicht erkennen, daßdie grossartige Reorganisation, welche seit 1837 die Bibliothek desBrittischen Museums... erfuhr, von grösserem Einfluss auf unsereBibliotheken gewesen sei". 18
Der Schock der Erkenntnis kam in den siebziger Jahren. Es wurdeoffenbar, daß es der neuen Großmacht sowohl an einer zentralenForschungsbibliothek wie an einer repräsentativen Nationalbiblio-thek fehlte.
II
Die Reformbestrebungen konzentrierten sich zunächst auf dieKönigliche Bibliothek in Berlin. Sie war durch das neunzehnteJahrhundert als preußische Landesbibliothek gepflegt worden,genügte aber weder den neuen Ansprüchen an eine National-bibliothek noch denen an eine Forschungsbibliothek. 19 Sie befandsich, so Theodor Mommsen im Januar 1874 vor dem Abgeord-netenhaus, in einem „entsetzlichen Zustand". Nicht nur war mit derReorganisation dieser Bibliothek „eine Schande von der deutschen
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