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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Stagnation. Göttingen verlor seine Vorrangstellung. Nach ChristianGottlob Heynes Tod (1812) ging die kraftvolle Führung derBibliothek verloren, und der Ausbau stockte. Die meisten anderenUniversitätsbibliotheken boten sich dem Bibliographen und Bi-bliothekar Friedrich Adolf Ebert alsstaubigte, öde und unbesuchteSäle" dar.5 Es gab Ausnahmen, so den Aufschwung Tübingensunter Robert Mohl. 6 Es gab Prozesse der Zentralisation, so vorallem die Vereinigung hervorragender Bestände in München alsErgebnis der Säkularisation. 7 Aber während des ganzen neun-zehnten Jahrhunderts konntekeine Bibliothek mehr sich rühmen,so vollständig zu sein wie Göttingen in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts". Undkeine Bibliothek hat in ihren Katalogen denganzen Bestand jemals ganz erschlossen." 8 Ein Bericht von KarlDziatzko, 1893 im Auftrage des Preußischen Unterrichtsministe-riums für die Chicagoer Bibliotheksausstellung geschrieben, faßtzusammen:Die nächsten vier bis fünf Dezennien nach demFriedensschluß von 1815 verliefen ohne lebhafte Regung auf demGebiete des deutschen Bibliothekswesens." 9

Die Diskrepanz zwischen dem Tiefstand der institutionellen Bi-bliotheken und den eindrucksvollen Forschungsleistungen derEpoche, nicht zuletzt in der auf große Literaturreservoire ange-wiesenen Geschichtsschreibung, erklärt sich in erster Linie aus derExistenz privater Gelehrtenbibliotheken. Die Bibliothek Leopoldvon Rankes etwa reichte als Forschungsbibliothek aus und er-forderte den Rückgriff auf öffentliche Sammlungen nur wegen eineraus Raummangel erzwungenen Desorganisation. 10

Durch den schnellen Anstieg der Literaturproduktion war es in derzweiten Hälfte des Jahrhunderts, wie Zeitgenossen klar erkannten,keinem Gelehrten mehr möglich, und wäre er finanziell noch sovermögend, sich den für seine Studien und Arbeiten notwendigenLitteratur-Apparat seines Faches, geschweige den aus verwandtenGebieten anzuschaffen." 11 Die Anschaffung desfür die Lehre,Pflege und Förderung der Wissenschaft notwendigen litterarischenApparates" wurde zu einer öffentlichen Aufgabe. Die moderneEpoche der staatlichen Wissenschaftsförderung brach an. InDeutschland begann sie damit, daß eine auf umfassende und guterschlossene Literaturbestände angewiesene Forschung ein seit

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