alterliche im Kerne des Neiches, sondern an der Grenze, ja gerade-zu an derjenigen, die am meisten bedroht war.
Zwischen Elsaß und Lothringen bestanden keine herzlichen Verbindun-gen. Dieses hatte durch die Natur und Geschichte gegebene, weit engereBeziehungen Mosel und Saar abwärts. Es wäre denkbar gewesen, ausdiesen Landschaften eine preußische Provinz „Moselland" zu bilden.
Eine gleiche Lösung wäre für das Elsaß eine Verbindung mit deranderen Hälfte, dem rechtsrheinischen Baden, gewesen. Freilich lieb-ten die elsässischen Notabeln ihre badischen Stammesgenofsen nichtsehr. Daß der Großherzog von Baden — von anderen Gründenabgesehen — eine solche Aufgabe für das eigene, schon an sich nichtleicht zu leitende Land als zu schwer ansah, ist begreiflich. Das Über-gewicht der Katholiken wäre erheblich gewachsen, das alte Negie-rungssystem unhaltbar geworden. So blieben die drei Departementszusammen, die beiden elsässischen mit einer Fülle von Kulturmittel-punktenundeinerstarkenVourgeoisie,daswesentlichbäuerlicheTeutsch-lothringen und Metz mit seiner französisch sprechenden Nachbarschaft.
Wir hatten bände gehabt, die Lande zu ergreifen; es mußte derVersuch gemacht werden, ob der Magen des Neiches sie verdauenwerde. Trotz aller Schwierigkeiten war das 1914 weithin gelungen.
Für die ans Neich abgetretenen Lande mußte eine neuartige zen-trale Organisation geschaffen werden. Sie wurde nach Maßgabedes wachsenden Vertrauens auf die sich einlebende Bevölkerungumgestaltet. Damit verschob sich ihr ursprünglicher Charakter vondem Ausgangspunkte — die volle Staatsgewalt steht ausschließlichdem Neiche zu — zur Annäherung an das Wesen der Gliedstaaten,ohne dieses je völlig zu erreichen. Die Ausübung der Staatsgewaltruhte bei den Organen des Neiches, dem Kaiser, dem Bundesrateund dem Neichstage. Zuerst wurde das klare Prinzip verändertdurch die Einführung der Neichsverfassung (1874). Seitdem ent-sandten die „Neichslande" 15 Abgeordnete in den Neichstag. DieLeitung der Verwaltung lag zunächst in Berlin bei dem dem Neichs-kanzler unterstehenden Neichskanzleramt für Elsaß-Lothringen. Ihmunterstand ein in Strahburg wohnender Oberpräsident. Diesem wardbeigegeben ein aus Mitgliedern der drei Bezirkstage gebildeterSonderausschuß. Diesen Notabelnausschüfsen konnten (nicht mußten)
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