des gegenseitigen Wohlwollens aufeinander blicken und sich zur För-derung der Wohlfahrt und des Gedeihens beider Länder die Sandreichen." Veust wünschte nicht in eine Erörterung einzutreten, sprachaber durch den Botschafter in Berlin den Wunsch der maßgebendenKreise Österreich-Ungarns aus, mit dem neuen Staatswesen die bestenund freundschaftlichsten Beziehungen zu pflegen. Kaiser FranzJoseph, war hinzugefügt, spreche den rückhaltlosen Wunsch aus, „daßdas deutsche Volk in den neuen Formen des staatlichen Daseins diewahren Bürgschaften einer glücklichen Zukunft finden möge".
Das war der Abschluß des Gegensatzes zwischen Österreich undPreußen und eine Etappe auf dem Wege zum Bündnisse der beidenGroßmächte.
Norddeutsche Fürsten hatten schon 1866 den Gedanken des Kaiser-titels für das Präsidium des Bundes gehegt, Vismarck hat dasdamals abgelehnt. Frühling 1870 hat er den Funken angeblasen.Aber die ersten Sondierungen bei auswärtigen Mächten ergabenSchwierigkeiten. Nun aber, wo man in einem siegreichen Kriegestand, der wie nie zuvor in Kraft und Einigkeit deutsche Stämmezusammengeführt hatte, gewann die Erinnerung an die alte Kaiser-herrlichkeit, die Sehnsucht, sie zu erneuern in allen Stämmen, derenSöhne im Felde standen, an Kraft. Doch Vismarck kannte KönigWilhelm und seine Gesinnung zu gut, um den einen Weg, den durcheinen Beschluß der Volksvertretung, sei es seitens des Zollbundes,sei es des Norddeutschen Reichstages, für gangbar zu halten.König Wilhelm dachte als Preuße, seine bisherigen Erfolge warenihm die Preußens. Den Kaisertitel hielt er für einen trügerischenSchein. Im Gegensatze zu seinem Sohne war ihm jede Nomantik fern.Zwischen ihnen stand Vismarck, er wehrte dem Dränger und drängteden Zögerer, weil er, der Nealist, in dem Titel eine werbende Kraftsah. Er werde dem Auslande den Glauben an die Uneinigkeit derdeutschen Staaten benehmen. Im deutschen Volke wirke er so langeeinigend, als ihm nicht zuviel Bedeutung beigelegt werde. Und derTitel verhüllte in den Augen der Besiegten von 1866 den Vesieger.Er konnte außerhalb Preußens in den Deutschen ein doppeltes dyna-stisches Gefühl erzeugen, neben dem alten Bande mit dem Landes-herrn ein neues, das mit dem Kaiser schaffen. Sicherlich eine delikate
Schulte, Veutlcher Staat 29
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