west und sogar mit Österreich durchzuführen. Das scheiterte, und derBundeskanzler mußte zufrieden sein, daß der Verlust der einstigenVundesfestung Luxemburg, das letzte Ausscheiden eines einem nicht-deutschen Souverän unterstehenden deutschen Landes die Sympathiender nichtpreußischen Deutschen für Preußen nicht schwerer erschütterte.Militärisch betrachtet war fortan die deutsche Front gegen Frank-reich nicht mehr an eine starke Festung angelehnt, sondern an einneutralisiertes Ländchen. Das kleine Saarlouis war nur eine Grenz-sperre. Die einstige Aufgabe von Luxemburg übernahm 1871 Metz.Vis dahin war die Bedeutung von Mainz erheblich gewachsen,ilnd diese Festung nahm nach dem Kriege von 1866 dauernd einepreußische Besatzung auf.
Im Grunde war der Zustand des alten, um Österreich verkleinertenBundesgebietes noch komplizierter geworden als in den Tagen desDeutschen Bundes. Es gab im Norden nun drei Stockwerke. Zuunterst die 22 Staaten mit sehr verschieden zusammengesetzten Volks-vertretungen, darüber den nach allgemeinem Wahlrechte zusammen-gesetzten Norddeutschen Neichstag, nicht zuständig für die innere Ver-waltung der Einzelstaaten, und darüber der nur für gemeinsameWirtschaftsfragen zuständige Zollreichstag. In Süddeutschland fehltedas Mittelglied und war daher der Sondergeist noch sehr stark.
Der Bundeskanzler mußte auf drei sehr verschiedenen Instrumen-ten seine Musik machen und sich nach deren Art einrichten. Im Nord-deutschen Reichstage fanden sich in wirtschaftlichen Fragen die Par-teien der Linken meist mit der Negierung zusammen. Der Chef derVundeskanzlei Telbrück war selbst liberaler Gesinnung. Vismarckverweigerte aber der Linken jede Ausdehnung der Macht des Reichs-tages. Weit stärker war die Macht der Konservativen im preußischenLandtage. Doch brachte gerade hier die Frage der Provinzial-dotation für Hannover einen Stein des Anstoßes. Die Konserva-tiven sahen, da diese Stärkung der Selbstverwaltung auch die altenProvinzen bedrohte und damit ihre Macht, daß Vismarck sich vonihnen trennen könne. Die sich absplitternden Freikonservativen nahmendas Gesetz an, der König wirkte auf das Herrenhaus ein.
Der Neichstag schuf 1869 den ersten Obergerichtshof, den Vundes-oberhandelsgerichtshof in Leipzig. Die vielfach gehegte Meinung,
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