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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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schon früher hingenommen hatte, daß sich Teile vom staatlichenVerbände abtrennten. In den Niederlanden entwickelte sich aus demDialekte eine Schriftsprache, die holländische. Frankreich duldete dasVaskische, Vretonische und Deutsche als Umgangssprache der ein-fachen Leute, kämpfte durch die französische Verwaltungsspracheaber gegen ihre Geltung als Schriftsprache. Der Abergang desElsasses und Teutschlothringens an den deutschen Verband konntenicht als Neichsland erstrebt werden, eine neue Dynastie einzurichten,war ebenso schwer als die Verteilung auf Nachbarstaaten. Derdeutsche Gegensatz zwischen Einheit und Vielheit machte sich auchdieses Mal geltend. Die Deutschen hatten sich nicht ohne die HilfeNußlands und Englands befreien können, sie mußten sich derenWillen fugen. Es ging wieder wie bei allen Koalitionskriegen, andenen Teutschland beteiligt und Kriegstheater gewesen war. DieAlliierten entschieden im Frieden zuungunsten der deutschen Inter-essen.

Aus der noch näher zu verfolgenden Verteilung der Rheinlandsergibt sich, daß sich Österreich nach dem Osten konzentriert und nachSüden in Italien ausdehnt, jede Grenze mit Frankreich vermeidet.Dafür beziehen Preußen und Bayern die Wacht am Nheine.Österreich und Preußen wechseln die Nollen. Ein folgenschweresErgebnis.

Das Neich Napoleons war eine Mißachtung der Völker. Alssie sich erhoben und der Entscheidungskampf auf deutschem Vodendiese Fremdherrschaft besiegt hatte, wurde von den Siegem in Parisdas französische Volk, obwohl es dem Kaiser willig gefolgt war,weil er der Grundeigenschaft der Franzosen, der Ruhmsucht, diehöchste Befriedigung gegeben hatte, geschont. Zwei Völker, vondenen das deutsche die schwerste Last getragen hatte, blieben politischgespalten. Deutschland und Italien verblieben in der vom Mittel-alter her überlieferten Vielheit. So wollten es die Fürsten undKabinette Europas oder ließen es doch zu.

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