!k2^
DWMMWU
»
- -'^' 7
entschieden war. Es waren die letzten Tage Josefs II., da Belgienim Ausstande war und Ungarn sich dafür vorbereitete. Die Politikdes ewig schwankenden Königs Friedrich Wilhelm II. wurde vomGrafen Hertzberg nicht ohne Quertreibereien einzelner Diplomatendes eigenen Staates, die auf den Krieg hinsteuerten, während Hertz-berg ihn glaubte vermeiden zu können, geführt. Er arbeitete einenPlan aus, der die ganze Ostfront von der Mündung der Weichselbis zu der der Donau verschoben hätte, diese wäre an Osterreich ge-fallen, Galizien an Polen, Danzig und Thorn sowie die PalatinatePosen und Kalisch an Preußen gekommen. Auf der Gegenseite warFrankreich durch die eben ausgebrochene Nevolution lahmgelegt. InBerlin hoffte man auf Deckung durch die skandinavischen Reiche, aufHilfe von England, das jedoch nur halb geneigt war, auf Duldungdurch Polen, vielleicht auf dessen Beihilfe und auch auf die derdeutschen Fürsten des Nordens; dachte doch Karl August von Wei-mar an einen norddeutschen Bund unter preußischer Spitze. Selbsteine russische Zustimmung setzte Hertzberg als Möglichkeit voraus.Preußen rüstete und zog seine Truppen nach Süden zusammen. EinFriedrich der Große hätte der Aktion volle Kraft gegeben und sichnicht mit Halbheiten begnügt. Dem starrköpfigen Josef II. warinzwischen sein beweglicher Bruder Leopold II. gefolgt, der, umeinen Auseinanderfall des Habsburgerreichs zu verhüten, zu einerVerständigung mit Preußen zu gelangen suchte. In der Tat kam esfünf Monate nach Leopolds Regierungsantritt zu Konferenzen inNeichenbach. Hertzberg, der anfangs die Verhandlungen auf derGrundlage seines Tauschplans führte, sah sich plötzlich von seinemKönig desavouiert. Wohl in der sicheren Erwartung der Ablehnungforderte dieser von Osterreich den Verzicht auf jeden Gewinn imTürkenkrieg. Doch zu seiner Überraschung nahm Leopold diesUltimatum an, und damit fand die Krise eine friedliche Lösung aufGrund einer Demiitigung Österreichs, aber ohne jeden Gewinn fürPreußen.
Die Neichenbacher Konvention (Juli 1790) wurde vom Königeals ein diplomatischer Triumph angesehen, vom preußischen Stand-punkt aus betrachtet war es eine verpaßte Gelegenheit, das WerkFriedrichs des Großen fortzuführen. Während Leopold nun unge-
250