§ 46. Gotfrid, Liter, und Handschr. § 47. Gotfrids Leben 299
enthält auch Eilh.s Tristrant (s. oben S. 68), schwäb. — Bruchstücke: aus d. 13. Jh.: m, Berlin,Perg.-Doppelbl., elsäss.; f, Köln, 2 Perg.bl., alem.; a, Innsbruck, 2 Perg.bl., elsäss.; t, Tübingen,Perg.-Doppelbl, elsäss.; s, Straßburg, 1 Perg.streifen; z, Zürich, 2 Perg.-Doppelbl., elsäss.;h, verschollen, alem. — 14. Jh.: b, Wien, 2 Perg.bl., ostmd.; 1, Berlin, Perg.bl., elsäss.; r, Frank-furt, Perg., wenige Zeilen; w, Wien, Pergbl. elsäss. — 15. Jh.: n, Scheinfeld, 8 Bl. Pap., ostfrk.
Die Hss. zerfallen in die 2 Klassen: X M B E H und Y, diese wieder in Gruppe a = FN(Mischhs. aus M u. a) R S, und /S = WOP. Die Verwandtschaftsverhältnisse sind durch alteHss.kreuzungen verwickelt. Die Herkunft der Hss. weist offenkundig auf das Elsaß, aufStraßburg, als Ausgangspunkt für die Tristan-Überlieferung, und zwar das 13. Jh. hindurch;besondere orthographische Eigentümlichkeiten deuten auf eine einheitlich-bestimmte Schreib-stube. M mit B E nimmt insofern eine gesonderte Stellung ein, als es eine nach bestimmtenGrundsätzen angelegte Umarbeitung von G.s ursprünglichem Text ist. Die Selbständigkeitdes dabei beobachteten Verfahrens weist auf einen ästhetisch-kritisch gebildeten Verfasser,in dem man den Straßburger Notarius burgensium (Vorsteher der städtischen Kanzlei)Meister Hesse, der um 1230/40 daselbst amtete, erkannt hat. 1
§ 47. Gotfrids Leben
Von Gotfrids Lebensverhältnissen 2 wissen wir nichts. Aus seinem Werkeerfahren wir nicht einmal seinen Namen: es ist unvollendet, er würde sichwohl am Schlüsse genannt haben. Als Verfasser des Tristan kennen wir ihndurch die Mitteilungen Späterer: seine Fortsetzer Ulrich v. Türheim und\/Heinrich v. Freiberg beklagen in den Einleitungen ihrer Tristanepen seinenvorzeitigen Tod (Ulr. 1—24 [15—20], Heinr. 1—52 [32.40—52]). Gleich diesenpreist seine Kunst Rudolf v. Ems im Alexander 3139—70 (Beitr. 29, 424) undim Wilhelm v. Orlens 2185—91; seinen Spruch vom gläsernen Glück zitierter im Alex. 20621—40 (Beitr. 29, 436). Konrad v. Würzburg beruft s'ich imHerzmsre (8—28) auf die Einleitung zumTr. 87—1223 unc } zollt Gotfrid hohenDichterpreis in der Gold. Schmiede 94 ff. Ulrich Füetrer im Buch der Aben-teuer und Püterich in seinem Ehrenbrief nennen ihn mit Wolfram zusammen.
Ein Akrostichon der 11 vierzeiligen Strophen des Eingangs V. 1—44und V. 45 ergibt die Buchstabenfolge G Dieterich T I, wobei G = Gotfrid,T — Tristan, I = Isöt oder Isolt zu fassen ist; Dieterich ist vermutlich derName des Gönners, dem das Gedicht gewidmet ist. 4 Gotfr. war bürgerlichenStandes (vielleicht gehörte er zu der vornehmen städtischen Gesellschaft inStraßburg), von Ulrich v. Türheim, Heinr. v. Freiberg, Rud. v. Ems (imAlexander) und Konrad v. Würzburg wird er ,meister' tituliert, ebensoin der Manesseschen Hs. 6 Er besaß eine für seine Zeit große Gelehr-samkeit in lat. Sprache und Literatur und in theologischen Dingen, die
1 RankeS. 406. 414f.; Martin, Straßburg.Stud. 1, 99. 384; C. Schmidt, Ist G. v. Str.Stadtschreiber gewesen? S.8ff. Ueber MeisterHesse s. ferner Rud. v. Ems, LG. II, 3.
1 v. d. Hagen, Minnesinger aaO.; Beck-stein, Allg. d. Biogr. aaO.; Lorenz u. Sche-rer, Gesch. d. Elsasses, 3. Aufl. 1886 S. 47 ff.;Heinzel, Kl. Sehr. aaO.; Golther, Tristanb.S. 165ff.; PiquetS.313— 15; Herm.FischeraaO.; v. Kraus, ZfdA. 50, 220—22. 51, 373—377; STöKLEaaO. S.100Anm.2u. 102-05.
3 v. d. Hagen S. 619 ff. — Anspielungen auf
Tristrant bzw. auf Tristan s. oben bei Eilh.S. 69 Anm. 1. Tristan als Vorbild für Junk-herren: Thomasin im Wälschen Gast 1051;Tristan bei Wolfram s. ob. S. 220 f.; bei späte-ren: v. d. Hagen, MS. 4, 863 ff.
4 v. Kraus, ZfdA. 50, 220-22. 51, 373-77;Schröder ebda 53, 99f.; Schwietering,Demutsformel S. 17.
5 ,Her' ist offizielle Titulierung der Ritter u.d.Geistlichen, als Höflichkeitsbezeugung auchBürgerlichen gegenüber angewendet; meister,magister, bezeichnet entweder den Lehrer im