256
Die erzählende Dichtung
\
hat die Geschichte ausführlich erzählt 655, 28—659, 16, nach dem Vor-bild der Geschichte vom Zauberer Virgilius.
§41. Der ethische und religiöse Gehalt. Die Charaktere 1
Durch das bunte Spiel romantischer Abenteuer ziehen sich die höchstenGedanken von den Grundfragen des Daseins. All jenes Tun und Treibenist nur der farbige Abglanz von Gottes ewiger Weltordnung. Im Einzel-schicksal spiegelt sich der Sinn und Wert des Menschenlebens. Die Dich-tung ist ein Symbol der ritterlichen Weltanschauung. Während die andernhöfischen Romane nur Ausschnitte aus dem Leben sind mit den bloß welt-lichen Wunschbildern von Minne und Rittertum, findet dieses Gedicht seineVollendung erst in der höchsten Idee, in der religiösen. Ein höheres undein niedereres Rittertum stehen in ethischer Wertung nebeneinander, dergeistliche oder vergeistigte Ritter, Parzival, der Welt und Gott als Ein-heit in sich verbunden hat, und Gawan, der in Heldentum und Frauen-dienst der höfischen Gesellschaft als Vorbild gezeichnet ist (Thomasin, W.Gast 1041—78); auch er, wenn auch auf einer niederem Stufe der Realität,doch an seiner Stelle ein wertvolles Glied im göttlichen Weltplan. Durchdiese Gegenüberstellung ist der ethische Grundriß gegeben: er beruht aufder Antithese zweier Lebensformen und schließt in B. XVI mit der Szeneriedes Weltstaates am Artushof und des irdischen Gottesstaates auf der Gralsburg.
Bestimmte Stellen sind es, die den Ideengehalt vornehmlich entwickeln:der Prolog I, 1, 1—4, 26; die drei Lehren: der Mutter III, 119, 16—30, desRitter-Oheims Gurnemanz III, 170, 15—173, 6, des Einsiedler-Oheims Tre-vrizent IX, 446, 1—502, 30; die Berufung Parzivals zum Gral durch CundrieXV, 781, 12—782, 30; im B. XVI: Parzival und Trevrizent 797, 16—798, 30,die Taufe des Feirefiz 817, 11—30.
Die ersten Verse des Prologs 2 geben die ethische Disposition für dasGedicht. Poetisch eingekleidet ist dieses Programm in einen farbensymboli-
1 Panzer S. 3 f. 9—11. — San-Marte, Parz.-Stud. II (dazu Pfeiffer, Germ. 6, 235 ff.) u. III,Vergleichung v. W.s Parz. mit Albr.s Titurel intheolog. Beziehung, Germ. 8, 421—61, ZurTheologie in d. P., ZfdPh. 17, 174—200; J.Seeber, Die leitenden Ideen im P, Hist. Jahrb.d. Görres-Ges. 2,56—75; A. Sattler, Die re-ligiösen Anschauungen W.s v. E., Grazer Stud.1,1895, dazu Roediger, Arch. 97 H. 1, Minor,Cbl. 1896,707 f., Zwierzina, ZföG. 48,50—52,Martin, Anz. 23, 200—02, Michels, GgA.1887, 738 ff.; Vogt, N. Jahrb. 2 (1899), 133—153; Kinzel, ZfdPh. 18, 447—58 {kiusche);Bötticher, Parz.-Übertrag. 3 S. 63ff.; Singer,Festg. f. H. 353—412; Lichtenstein, Beilr.22,61 ff.; Braune ebda 24,201 ff.; BuRDACH.Wal-ther S.97, Der myth. u. d. geschichtl. Walther,D.Rundschau 49 (1902) Nov.; Petersen, Jo-hannes Rothe S. 142ff.; Ehrismann, ZfdA.49,405—65, GRM. 1, 667 ff.; Marie v. Eschen,Parz. u. Faust, Leipz. 1906; Regine Strümpell,Gebrauch von saslde, Leipz. Diss. 1917; Rud.
Pestalozzi, N. Jahrb.41 (1918), 195ff.; RolfWeber, Askese u. Quietismus bei W. v. E.,Journ. of Engl, and Germ: Phil. 17 (1918),376—98; W. Scherer, Das Problem der Vor-sehung in W.s v. E. Parz., Hist.-pol. Blätter165(1919), 727—40; L. A.Fischer, TheMysticVision in the Grail Legend and in the Di-vina Com., dazu Gardner, The Mod. Langu.Rev. 1918 Okt.; Ehrismann, Dantes Göttl.Kom. u. W.sv.E. Parz., Voßler-Festschr. S. 174—93; Günther Müller, Dt.Vierteljahrsschr.2,691 ff.2 Panzer S. 12; Lachmann, Ueb. d. Eingangdes Parz., Berl. Ak. 1835 u. Kl. Sehr. 1, 480—518; Bötticher, Das Hohelied v. RittertumS.7— 31; Nolte, Der Eingang d. Parz., Marb.Diss. 1900, dazu Martin, DLz. 1900, 1828 f.,Leitzmann, ZfdPh. 35,129—38, Bötticher,Arch. 107, 137—45; Hertz S.467 f., Rosen-hagen S.567; Singer, Festg. f. H. S.354 f.360ff.372.412f., ZfdA.44, 321 f., Stil S. 11 ff.;Max Rieger, Zf dA. 46,175—81; John Meier,