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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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248 Die erzählende Dichtung

in der Verslegende Joseph des Robert v. Boron, 1 der sein Gedicht imAuftrag des Grafen Gautier v. Montbeliard um 11801199 (der Graf zog1199 nach Palästina) verfaßte, also nicht lange nach [oder vor?] Chrestien.Es enthält die Geschichte der Abendmahlschüssel 2 und der ersten Gral-gemeinde, deren frommes Leben seinen Mittelpunkt hatte in der Erinnerungs-tafel an Christi Abendmahl. Ein Jude fand das Gefäß des Sakraments, Pi-latus überließ es dem Joseph von Arimathia, der darein mit Nicodemus dasBlut Christi am Kreuze sammelte, das aus den Wunden floß, als sie den Ge-kreuzigten wuschen. Joseph wird von den Juden ins Gefängnis geworfen,aber Gott (Christus) kam zu ihm und brachte ihm das Gefäß, das durch hellenGlanz seinen Kerker erleuchtete. Nach langen Jahren durch den Kaiser Vespa-sian befreit zieht er mit seinem Schwager Bron (= Hebron) und einer kleinenSchar Christen in ein fernes Land. Auf Geheiß des heiligen Geistes stellter für die Gemeinde eine Tafel der Erinnerung an den Tisch des Abend-mahls her, auf der ein Fisch und das Gefäß aufgetragen wurden. Das Gefäßwird der Graal genannt, keiner kann ihn sehen, dem er nicht angenehmist. Brons Name ist fortander reiche Fischer", weil er den Fisch gefangenhatte. Bron zieht nach England, sein Erbe ist Alain, von dem die kommendenGralshüter abstammen. Der Inhalt von Roberts Josephslegende zerfällt inzwei Teile. Die Vorgeschichte des Gral, die eigentliche Legende von Josephvon Arimathia, hat ihren Ursprung in den Evangelien, ihre Grundzüge hatsie erlangt in altchristlichen Legenden, deren älteste die Gesta Pilati sind,worauf das Evangelium Nicodemi beruht. Die spätere Vindicta Salvatorisberichtet von Josephs vierzigjähriger Gefangenschaft bis zu seiner Befreiungdurch Vespasian. Der zweite Teil erweitert sich zu einer Geschichte der erstenGralgemeinde und der Einführung des Christentums im Westen, in England.Dieser Sagenteil ist mittelalterl. Ursprungs und wahrscheinlich in englischenKlöstern entstanden. Die historische Quelle dafür ist die Chronik De anti-quitate Glastoniensis ecclesiae (um 1135, mit Nachträgen von 1191), vonder Gründung des Klosters Glastonbury (südl. von Bristol). 3

Roberts Gedicht läuft in einen nicht zu Ende geführten Merlin aus, derin Prosa fortgesetzt wird. An Robert schließt sich eine umfassende Prosa-

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ges. für 1917, s. auch Münchn. Neueste Nachr.,Beil. 9. Mai 1926; E. Vettermann, Die Baien-dichtungen u. ihre Quellen, Beihefte z.Zfrom-Phil. H. 60; Th. Absil, D. Gral im Parz., Tijd-schr. v. Taal- en Letteren Jaarg. 7,154 ff. 8,19 ff.;F. Rohr, Parz. u. d. heil. Gral, Hildesh. 1922,dazuGiERACH.DLz. 1925,1946 48,Golther,Lbl. 1925, 214f.; Sparnaay, VerschmelzungS. 57 ff.; Rud. Palgen, Der Stein der Weisen,Quellenstud. z. Parz., Bresl 1922; Schwie-tering, Der Fischer am See Brumbane, ZfdA.60,25964; Bruce, The Evolution of Arth. Ro-mance, pass.; A. Zimmermann, Herleitung desFremdwortesGräl" aus dem Griech., Philol.Wochenschr.1924 Nr. 18; Golther, D.Grali.d. frz. u. dt. Ged. d. MA.s, Der Türmer 1923;

Ders., Gralb. pass; Burdach, Vorspiel I Teil 1:Longinus u. d. Gral, Der Ursprung der Gral-legende, D. Judenspieß u. die Longinussage,D. Longinusspeer im eschatolog. Lichte.

1 Boron übersichtl. bei Zarncke, Birch-Hirschf., Hertz S. 420 ff., Bruce 1, 237 ff.2,114 ff.

2 Christus erklärt bei seiner Erscheinung,das Gefäß" wird Kelch (calices) genannt wer-den. Hier wird also die Schüssel als Abend-mahlskelch aufgefaßt.

8 Zarncke S.325ff.; Baist S.39ff.; Rosen-hagen S. 565; Weston 1, 191. 2, 269f. 281;Bruce 1, 262 ff.; Golther, Gralb. S. 27 ff.Üb. d. Legende v. Fescamp s. Weston, Reg.zu Bd. 1 u. 2.