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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 30. Hartmanns Stil und Metrik

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Er. 710611; ähnlich Er. 782633, mit vertraulicher Anrede: geselle Hartman, sageusw. Er. 9169 ff.; Ich warne, vrinnt H., da missedenkest dar an, war umbe spridiestädaz? usw. Antw. wil ich iu bescheiden daz Iw. 7027 ff. Die Beschreibung von EnitensPferd Er. 7286766 ist eine für sich abgeschlossene Einlage, sie ist für den Geschmack derHörer berechnet und darum wendet sich gerade hier der Dichter mit besonderer Vorliebean sie, führt mit ihnen eine Unterhaltung. Auch die Abschweifung auf das Pflaster derFämurgän bewegt sich in solchem mehr unterhaltenden Ton, Er. 5153 f. 516264. 5166.5172-74. 5215. 522332. 5237. 1

Metrik

Lit.: Haupt, Erec Anm. zu V. 1036; W. Grimm, Kl. Sehr. 4,125ff. u. Reg. S. 331 f.; Henrici,Ausg. Bd. 2 S. XXXIV ff.; Saran, Dt. Verslehre, Reg. S. 348 u. bes. S. 261 f. 266 ff., dazu Pfann-müller, Ob. metr.Stilarten" in d. mhd. Epik, Beitr. 40, 37381; Saran, H.s Lyrik S.49ff.;Ders., Beitr. 23,1 ff. 24,1 ff.; Kraus, Metr.Untersuch. überReinbots Georg, Gott. Abhandl. NF. VINr. 1 (1902), 167222; Ders., Festg. f. Heinzel aaO.; Zwierzina ebda, Zwierzina, ZfdA. 44u. 45 aaO.; B. J. Vos, The Diction and Rime-Technic, 1896, dazu Heinzel, Kl. Sehr. S.43235u. ZföG.49,13437, Schönbach, Östr. Lbl. 1898, 718, Helm, Lbl. 1898, 234; Schirokauer,Beitr. 47,1 ff. u. Reg. S. 124; Schröder, Münch. SB. 1924,3. Abh. S. 6 f. Nolte, D. klingendenReime bei H., Gotfr. u. Wolfr., ZfdA. 51,11342; K. Stahl, D. Reimbrechung bei H. v. A., Rost.Diss.1888, dazu Glöde, Lbl. 1889,407; Wahnschaffe, Enjambement, Pal. 132, dazu Behaghel,Lbl. 1921, 228f., Hübner, Arch. 142,301 f.; B. Ritter, D. metr. Brechung in d. Werken H.s v. A.,Hall. Diss. 1913; Anna Siemsen, D. Wörter der Form c >< in d. Versen H.s v. A., Bonn.Diss. 1909; U. Friedländer, Metrisches zum Iwein, Festschr. f-. Schade 1896, S. 36574; s.auch Ludwig, Albr. v. Halberst. S. 26-32.

Hartmanns rhythmischer Formsinn hat die Hinneigung zur Freiheit, erruht in der altheimischen Betonungsart. Die Freiheit besteht in der Behand-lung der Senkungen: senkungslose Takte (beschwerte Hebung) werden un-bedenklich zugelassen, sie machen im Erec über 37 Proz. aus, im Iwein über32 Proz. Das Büchlein hat im Anschluß an die Lieder, denen es inhaltlichund zeitlich nahe steht, einen ziemlich regelrechten Versbau. Im Gegensatzhat der epische Stil des Erec einen viel eckigeren Tonfall, der den Eindruckrhythmischer Lässigkeit macht. In den folgenden Dichtungen gewinnt dieRhythmik wieder größere Sorgfalt (glattere Verse im Greg, und A. H.), im Iweinist sie getragen von dem in H. herrschenden Kunstprinzip der natürlichenSprechweise. Zwischen dem Betonungsethos des Erec und dem des Iweinbesteht eine Kluft, gerade in Betracht derunregelmäßigen" (in der Aus-füllung der Senkungen freieren) Verse: im Erec lassen sie sich oft nur schwerin das System der vier bzw. drei Hebungen einzwängen. H. hat eine Vor-liebe für sie, verwendet sie wohl auch schon im Erec häufig in bewußterAbsicht als Ausdrucksmittel, besitzt aber noch nicht das rhythmisch geübteGefühl, um sie kunstgerecht zu gestalten. Im Iw. sind diese freieren Verse

1 Diese Form des fingierten Verkehrs mit derZuhörerschaft ist in der Predigt üblich, z.B.Berthold v. Regensburg 1, 42, 11 ff.: FrageOwe, bruoder Berhtolt, wie sullen wir dennetuon? Antw. Daz künde ich didi wolgelerenusw., ähnl. S. 43,38 ff. u.ö. Die Anredeformelan die Hörer Nu sprechet ist in den mhd. Pre-digten sehr beliebt. Einwand u. Antwort istauch die Form der theol. Lehrmethode, vgl.

Grabmann bes. Bd. 2, 516 ff. u. Reg. unterDistinctio 2, 578. Die Tonart der unmittel-baren Zwiesprache mit den Hörern in den bei-den letztangeführten Episoden bei Hartmannkönnte indessen doch dem wirklichen Um-gangsverkehr nachgeahmt sein, wie wenneiner in der Hofgesellschaft ein merkwürdigeseigenes Erlebnis zum besten gab.