§ 27. Iwein
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kommt Iw. an die Quelle. Die Rückerinnerung an die Zeit seines Glückes überkommt ihnso mächtig, daß er vom Rosse sinkt, wobei er sich mit dem Schwert schwer verletzt. DerLöwe, der ihn für tot hält, will sich mit dem Schwert erstechen. Iw. hindert ihn daran.In der Nähe steht eine Kapelle. Eine darin gefangene Jungfrau hört sein Klagen. Es istLunete, die. von ihren Feinden am Hofe, dem Truchseß und seinen zwei Brüdern, desVerrates angeklagt ist und am folgenden Tag verbrannt werden soll, wenn nicht ein Kämpferfür sie eintritt. Iw. gibt sich ihr zu erkennen und verspricht, morgen sich zum Zweikampffür sie zu stellen. — 2. Der Riese Harpin 4357—5144 = Chr. 3770—4315 5 . In der Zwi-schenzeit befreit Iw. die Söhne eines Burgherrn, der Gaweins Schwester zur Frau hat, ausder Gefangenschaft eines Riesen. Eingelegt 4530—726 = Chr. 3918—39 ist die Episodevom Raub der Königin Ginover durch den fremden Ritter [Meljaganz 5680], die der Burg-herr dem Iw. erzählt. — 3. Iwein befreit Lunete 5145—574 = Chr. 4316—660 durch Be-siegung ihrer Ankläger. Niemand kennt ihn außer Lun., auch nicht seine Frau, die nachdem Kampfe ihn, den Unbekannten, bewundernd ehrt und zu bleiben auffordert. — 4. DieTöchter des Grafen vom Schwarzen Dorn 5575—6079 = Chr. 4661—5106. ZweiSchwestern führen einen Erbstreit, der durch den Zweikampf ihrer Rechtsvertreter nachsechs Wochen an Artus' Hof entschieden werden soll. Die ältere gewinnt Gawein zu ihremKämpfer, die jüngere nach langem Suchen den Ritter mit dem Löwen. — 5. Die Burgzum Schlimmen Abenteuer 6080—866 = Chr. 5107—807. In der Zwischenzeit gelangtIw. zu einer Burg, in die er trotz der Warnungen der unten in dem Flecken wohnendenLeute und trotz des unhöflichen Empfangs durch den Torwächter eintritt. Drinnen in einemArbeitshaus findet er dreihundert edle Damen, die in niedrigem Dienste mit Handarbeitenbeschäftigt sind. Ihr Landesherr mußte sie als Lösegeld zwei Riesen zum Tribut geben.Er wird von dem Burgherrn und dessen Frau und Tochter freundlich aufgenommen, aberam andern Tag wird ihm eröffnet, daß jeder Gast mit den Riesen kämpfen müsse undwenn er siege, die Hand seiner schönen Tochter und sein Land bekäme. Iw. überwindetdie Riesen, schlägt die Hand der Tochter aus, befreit aber durch seine Heldentat die drei-hundert arbeitenden Frauen. — 6. Zweikampf zwischen Iwein u. Gawein 6867—7804= Chr. 5808—6526. In dem Rechtskampf für die zwei Schwestern erkennen sich Iw. undGaw. erst, als die hereinbrechende Nacht dem heißen Kampf, ohne daß eine Entscheidunggefallen, ein Ende macht. Artus fällt das Urteil zugunsten der jüngeren Schwester.
Schluß 7805—8166 = Chr. 6527—818 Die Versöhnung. In der Sehnsucht nach seinerGattin geht Iw. wieder zur Quelle und ruft das Unwetter hervor. Lunete weiß auch hierwieder Rat: die Herrin soll sich zum Schutze ihres Landes an den Ritter mit dem Löwenwenden als den tapfersten Verteidiger, aber sie werde ihn nur dadurch gewinnen, daß sieihn mit seiner Gattin wieder aussöhne. Die List gelingt und Laudine erkennt nun in demfremden Helden ihren eigenen Gemahl. Das Ende ist die Versöhnung.
Hartmanns Verhältnis zu Chrestien. 1 Im Iwein hat sich H. etwasenger an die Überlieferung angeschlossen als im Erec, seine allgemeinenÜbersetzungsgrundsätze sonst aber beibehalten. Schon die Erweiterung desUmfangs — sein Iwein zählt ca. 1350 Verse mehr als der Chr.s — läßt er-kennen, daß auch hier der Ablauf der Darstellung verlangsamt ist. H. istChr. im Iwein ebenbürtiger geworden, trotz des engeren Anschlusses anihn ist er künstlerisch selbständiger.
1 Chr. Rauch, Die wälische, franz. u. deutscheBearbeit.derlw.sage, Gott. Diss.1869; A.Güth,Arch. 46 (1870), 251—92; Franz Settegast,H.s Iw. verglichen mit s. afrz. Quelle, Marbg.Diss. 1873; Gust. Gärtner, Bresl. Diss. 1875;Bernh. Gaster, Greifsw. Diss. 1896, dazu
Kölbing, ZfdPh. 30,387—90; Firmery, Notescrit. S. 55—107, dazu Singer, Anz. 28, 337;Sparnaay, Laudine bei Chrest. u. Hartm.,Neophilol.4,310—19, vgl.3,122—29; Schön-bach S.412—43; Piquet S. 189-216; Foer-Sters Einl. zu seinen Yvain-Ausgaben.