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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§26. Erec

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Felsenburg Br. Die Bewohner des Burgfleckens warnen. Freundliche Aufnahme vom Burg-herrn, dem König Ivreins. 80 trauernde Frauen sehen sie im Palast, deren Männer er-schlagen worden sind. Trotz aller Abraten reitet Er. zur Bestehung des Abenteuers. Unter-halb der Burg liegt der Wundergarten Joie de la court. In einem weiten Ring sind die Köpfeder Erschlagenen aufgesteckt. In einem Zelt findet er eine schöne Dame, die ihn vor derGefahr warnt. Da sprengt der Herr des Gartens heran, Mabonagrin. Nach schwerem Ringenbesiegt ihn Er. und schenkt ihm das Leben. M. erzählt seine Geschichte: die schöne Frau,seine Geliebte, hat ihm, um ihn immer bei sich zu behalten, das Gelübde auferlegt, in demGarten zu bleiben, bis er einmal besiegt würde. Zu seiner großen Freude ist er jetzt vondiesem Zwange befreit. Die Dame und En. erkennen sich als Verwandte. Alles löst sichin Freundschaft auf, die 80 Frauen ziehen in ihre Heimat.

C. Schluß 987610136 = Chr. 64116958. Er., En. und Guivr. reiten zu Artus. Auf dieKunde vom Tod seines Vaters übernimmt Er. die Regierung und herrscht mit En. langeglücklich und in Ehren.

Hartrnanns Verhältnis zu seiner Quelle. 1 Bei einer Vergleichungzwischen H. und dem uns überlieferten Texte des franz. Erec werden nursolche Stellen sichere Gewähr für H.s Verhalten geben, wo er mit Chr. genauübereinstimmt, bei Abweichungen liegt die Möglichkeit nahe, daß H. einevon Chr. abweichende Version (s. oben) benutzte. So wird die Frage nachder Selbständigkeit H.s nicht für alle Teile mit voller Sicherheit zu lösensein. Aber der Gesamteindruck läßt doch die grundsätzliche Verschiedenheitzwischen H.s und Chr.s künstlerischer Auffassung und Begabung erkennen.

H. befolgt in seinem Er. die freie Übertragungsmethode wie Veldeke undbindet sich noch weniger als dieser an das franz. Original. Vom Wortlautseiner Quelle hat er sich fast ganz losgemacht. 2 Schon das äußere Aus-maß deutet auf eine erhebliche Verarbeitung des Originals, denn H.s Er.zählt (Ambr. Hs. + Wolf. Brachst), abgesehen von den 2 fehlenden Blätternder Ambr. Hs., 10192 V., Chr.s Gedicht (in der uns überlieferten Gestalt)nur 6958 V. Die Erweiterungen beruhen oft auf technischen Gründen, eswar eben häufig leichter, einen fremden Ausdruck zu umschreiben und zudehnen als ihn genau wiederzugeben, oder auch die Reimgelegenheit oderdie Versausmessungveranlaßten Verbreiterung. Zumeist sind es Umschreibungendes franz. Textes, seltener werden neue Gesichtspunkte eröffnet. Aber H.hat sich in Chr.s Roman hineingelebt, er hat den Stoff durchdacht und ihnmit selbständigem Urteil und eigenem Empfinden wiedergegeben. Darumsind seine Umformungen nicht bloß äußerliche Sprachänderungen, sondernsie beruhen auf einer Wesensverschiedenheit. Wie bei Veldeke und dessenOriginal, so offenbart sich auch bei H. gegenüber Chr. die unterschied-liche Spannung des leidenschaftlicheren französischen und des ruhigerendeutschen Temperaments. Damit zusammen hängt eine verschiedene Wertung

1 W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 243; Wackern.-Stadler S. 15f.; Bartsch, Germ.7,14185;Fr. Lippold, Ueb. die Quelle d. Greg. H.sv.Aue, Leipz. Diss. 1869 S.7f.; H. Dreyer,Progr. Königsbg. 1893; P. Hagen, ZfdPh.27(1895), 46374; Osk. Reck, Greifs w. Diss.1898; P. J. Reimer, Progr. d. Gymn. Seiten-n*

stetten 1909; ZwiERZiNA,ZfdA.45,330ff. 338 f360 f.; Schönbach S.420 ff.; Piquet S.182ff.Panzer S. 54547; Zenker, Zff rzSpr. 45,47 ff.Schneider, Anz. 42, 126; Singer, Literis 3125 ff.

2 H. hat abschnittsweise übersetzt: Schönbach aaO.; Rosenhagen, ZfdU. aaO.