§ 26. Erec
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II. Büchl. entwickelt sich aus dem lyrischen Moment der rein persönlichenEmpfindung eine lehrhafte Abwägung der allgemeinen Lebensbegriffe, undder ethische Höhepunkt ist auch hier der Kernsatz der ritterlichen Pflichten-lehre : seine Lebensführung so einzurichten, daß man mit Gott und mit derWelt sich im Einklang befindet. — Gegen den Schluß treten die allgemeinenLebensbeobachtungen zurück und der Dichter wendet sich der augenblicklichenSachlage zu, seinem persönlichen Verhältnis zu der Geliebten, seinen Hoff-nungen und Befürchtungen über ihr Festhalten des Treubundes.
Der Stil ist zwar erregt, aber doch klar und sachlich, zwar bilderreich, erhebtsich aber selten zu poetischem Schwung, wie etwa in dem Beispiel aus der Natur436—46. Der Gedankenbau ist, entsprechend dem disputierenden Inhalt,durchaus antithetisch. Also auch die sprachliche Architektonik hat dasII. Büchl. mit Gotfrids Tristan gemein. Der Versbau ist ziemlich regelmäßig,
§26. Erec
Ausg.: M. Haupt, Leipz. 1839 (dazu „Berichtigungen und Nachträge' ZfdA. 3, 266—73),2. Aufl. 1871; Bech, Dt. Klassiker d. MA.s 1. Teil, 3. Aufl. 1894. Übersetzung: S. O. Fistes,Halle 1851, 2. Aufl. 1855. Reimregist.: Jandebeur aaO. — Zu einzelnen Stellen: Piper S. 37,dazu seitdem: Bech, Germ. 22, 34 ff.; Warnatsch, ZfdPh. 30, 247; Böhme, Beitr. 15, 563ff.;Ehrismann, ebda 24, 384ff.; Wallner, ZfdA. 40, 60 ff.; Zwierzina, ebda 45, 317ff. u. Reg.S.341; Rosenhagen, Zobel von Connelant, ZfdA. 55, 301 f. (vgl. Piquet S. 150 Anm. 3);H Naumann, ZfdPh.47, 360—72; Ochs, Neuphil. Mitt. 25 (1924), 130. — Alb. Ilg, Beitr. z.Gesch. d. Kunst u. Kunsttechnik aus mhd. Dichtungen, Wien 1896.
Hss. 1. Der Er. ist nur in einer Hs. vollst, überliefert, in der großen Ambraser Hs. desHans Ried (s. oben). Das Gedicht folgt fortlaufend ohne Absatz auf das Gedicht vom Mantel,der Anfang, etwa den Umfang eines Blattes enthaltend, fehlt, auch nach V. 4629 ist einegrößere Lücke, wahrscheinlich ebenfalls durch den Ausfall eines Blattes der früheren Über-lieferung verschuldet. Die Hs. hatte eine gute Vorlage, aber ihr Text ist entstellt und hatspäte, verwilderte Sprachformen. — 2. Dazu kommen: Bruchstücke einer Wolfenbütteler Hs.d. 13.Jh.s, md., 2 Perg.doppelbl. = V. 4549—4832, 1898 gefunden, hgb. von Heinemann,ZfdA. 42, 259 ff. Der Text ist sehr frei, an zwei Stellen sind Dreireime. Vgl. Zwierzina,ZfdA. 45, 317ff.; H. Naumann, ZfdPh. 47, 360—72.
Der Erec ist ein Jugendwerk H.s. Er nennt sich selbst einen tumben kneht1603. 7480, Kunst und sprachlicher Ausdruck haben noch nicht die spätereReife. 1 Sein Name kommt in den beiden Hss. nicht vor, er mochte in demverlorenen Eingang der Ambr. Hs. enthalten gewesen sein. H. selbst er-innert an den Erec in seinem Iwein 2572. 2792. Er hat aber den Iwein schongekannt, als er den Erec dichtete. 2
H. nennt seine Quelle: alse uns Crestiens saget (Wolfenb. Brachst,ZfdA. 42 S. 263 V 4629^), es ist der Erec Chrestiens v. Troyes.s Aber es
1 Zur Bestimmung der ungefähren Abfas-sungszeit kann die Erwähnung von Connelant= Iconium 2000—11 dienen, die den Kreuz-zug Barbarossas voraussetzt (Rosenhagen,ZfdA. 55, 301 f.). Dann wäre der Er. jeden-falls nach 1190 zu setzen.
2 Henrici, Ausg. d. Iwein Bd. 2 S. XI f.; Pi-Quet S. 230 ff.; Panzer S. 547 f.
3 Außer der deutschen Bearbeitung H.s gab
Deutsche Literaturgeschichte III 11
es noch eine nordischeUebersetzung, die Erex-saga vom Ende des 13. Jh.s, ed. Coderschiöld,Kopenh. 1880; s.Kölbing, Dienord.Erexsagau. ihre Quelle, Germ. 16 (1871), 381-414;Singer, Wolframs Stil S. 59 ff.; H. G. Leach,Harvard studies in comp, lit.6,1921; Zenker,ZffrSpr. 45, 47. Ueb. das cymr. Mabinogivon Geraint s. ob. Erec in d. mhd. Lit. nachH. genannt: Haupt, Ausg. S. 323 f.; Vogt,