XII Vorwort
tung gesuchte Erkenntnis stützt sich stark auf philologische Einzelzerglie-derung.
Zurückgedrängt ist in dieser altdeutschen Literaturgeschichte das eigene,subjektive Werturteil, das von modernem Empfinden beeinflußt ist. DieQuellen sollen für sich selbst sprechen und sie geben uns auch tatsächlicheFingerzeige für eine ästhetische und selbst psychologische Beurteilung. Da-durch wird eine solche möglichst historisch gestützt. Gelegenheit dazu gibtauch hier die jeweilige Vergleichung eines deutschen Werkes mit der fran-zösischen Quelle, z. B. S. 89 ff. 164 ff. 175 ff. 237 ff. 303 ff. Das Werturteil istalso dann ein Ergebnis stilvergleichender Beobachtung.
Auf dem vielgeschmähten „Historismus" und seinem Leidensgefährten, dem„Psychologismus", beruht die Forschung der Literaturgeschichte des Mittel-alters. Aber überwölbt ist das relativistische Suchen, in das die Forschunggebannt ist, durch die absolute Idee, das Ewiggültige, das die großen Dicht-werke des Mittelalters selbst so überzeugungsmächtig und verheißungsvollverkündigen. Gott ist die höchste Synthese.
Viele verehrte Fachgenossen haben mich durch Zusendung ihrer neu-erschienenen Schriften unterstützt. Ihnen allen, dazu besonders der viel-jährigen, nie ermüdenden Hilfsbereitschaft, die ich bei den Verwaltungen undden Beamten der Greifswalder und der Heidelberger Universitätsbibliothekgefunden habe, und dem selbstlosen, sich ganz in den Dienst der Sachestellenden Entgegenkommen des Herrn Verlegers spreche ich meinen herz-lichsten Dank aus!
Zwei Männern, deren Güte und Treue mir nicht nur diese Arbeit mög-lich machte, kann ich den Dank nur ins Grab nachrufen, Wilhelm Brauneund Gustav Roethe.
Heidelberg, im März 1927
Gustav Ehrismann