306 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
6. Pfälzer Beichte.MSD. Nr. 74b u . n s j 333 f. ; p IPER> Alt. d. Lit. S. 133, Nachtr. S. 193 f.; Kelle, LG. 1,133.355;KÖGEL, LG. 2, 540f., Grundr. 2 S. 153. — Erster Druck von Fr. Pfeiffer, Germania 13 (1868),388 f., mit Erläuterungen von W. Scherer, S. 389—391. — Sprockhoff S. 45 f.
Hs.: Vatikanische Bibliothek in Rom, 1 ) Cod. pal. 555, 42 Bl., 8°, 9./10. Jh.,stammt aus Heidelberg, sie enthält die Regula Chrodegangi. Die Beichtesteht auf der Rückseite des letzten, aus anderm Pergament bestehendenBlattes 42b, mit anderer Tinte und von anderer, doch nicht jüngerer Handgeschrieben als der vorhergehende Text. Vor dem deutschen Text geht einekurze lateinische Beichtanweisung an den Priester.
Der Dialekt hat südrheinfränkische Kennzeichen ähnlich dem Otfrids:ua für uo: fluachenes 4, huares 7, suahta 8, gisuanta 13; ia für io im In-finitiv llagennes 4; rheinfränkisch, aber nicht südrheinfränkisch, sind die hdin bigihtdig 1, manslahda 7, d in godes 2 (zweimal), sunnändaga 9. DerGesamteindruck ist allerdings mehr südrheinfränkisch.
Gliederung: I. Einleitungs- und Empfängerformel Z. 1 f. II. Hauptteil:Sündenbekenntnis Z. 2 ff. (Universalformel: Sündengebiet Z. 2—4; Aufzählungder Sünden Z. 4—13). In der Sündenaufzählung bricht das Stück mitten inder Zeile unvollendet ab.
' Die Pfälzer Beichte ist mit der Mainzer Beichte eng verwandt, beidegehören dann wieder mit der Fuldaer Beichte zusammen.
7. Reichenauer Beichte.
MSD. Nr.75 u. II 3 , 389—391; Piper, Alt.d.Lit. S. 132; Kelle, LG. 1,134.355; Kögel, LG.2, 537f., Grundr. 2 S. 153. — Erster Druck von Petrus Lambecius, Commentarii de bibliothecacaesarea Vindobonensi 2 (1669), 318—320; Graff, Diütiska 3 (1829), 168f.; Massmann, Ab-schwörungsformeln (1839) Nr.26 S.42.128f.; W. Wackernagel, Ad. Lesebuch 1859,107—110.
— Sprockhoff S. 56—58.
Hs.: K. K. Hofbibliothek in Wien, Cod. 1815, 230 Bl., fol., 9./10. Jh., enthält
— abgesehen von der ersten, nur vorgebundenen Lage — ein Kalendarium bisBl. 12a, dann Bl. 12b und 13a Exorzismen und Benediktionen, von Bl. 15b andas Sakramentarium Gregors des Großen und anderes. Unsere Beichte steht,von anderer Hand geschrieben, Bl. 13b und 14a, mitten auf der Seite ab-brechend, obgleich noch Raum vorhanden war. Die Handschrift stammt ausReichenau, denn das Kalendarium gibt Todesfälle Reichenauer Personen an.Das Kalendarium ist spätestens 912 geschrieben, die Beichte ist wohl etwasspäter eingetragen.
Der Dialekt 2 ) ist rheinfränkisch: td: metdlna 12, betdl 22, funtdivlllola 25,hd: blgihdtc 1, suahda 11, dähda 14, unrehda 14 {bigihden 31), htd: almaht-dlgen 1. 7.8.10 f. 13 f. 16.18.20, gidähtdin 3, unrehtdes 14, cd: gidrancda 19,fd: durfdige 21, sd: dursdage 19, zd: azda 19; demnach sind die durch-gängigen unverschobenen d statt t im Inlaut, wo sonst im Rheinfränkischen
') Bartsch, Katalog der Handschriften der Universitäts-Bibliothek zu Heidelberg Nr. 361.2 ) MSD. 1 \ Einleitung S. XXVI f. und II 3 ,390.