B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 59. Weissenburger Katechismus. 297
Worte mit jeweils darauffolgender deutscher Übersetzung. Zwischen die demGalaterbrief entnommenen Substantiva sind auch zwei Adjektiva eingefügt:obstinatus elnuuillig 40 f., anxlus angustenter 41,') die im Galaterbrief undin der Admonitio generalis fehlen.
3. Das Apostolische Glaubensbekenntnis nach dem Ordo Romanus(Textus receptus), Z. 43—51. a )
4. Das Athanasianische Glaubensbekenntnis, Z. 52—101, auchSymbolum Quicumque genannt, da es mit diesem Worte beginnt. 3 ) Dies istdie einzige erhaltene ahd. Übersetzung dieses Symbols außer der in NotkersKatechismus. 4 )
5. Die Übersetzung des Gloria in Excelsis und des Laudamus,Z. 102—110, die sonst in ahd. Übertragung nicht überliefert sind.
Der Weißenburger Katechismus ist das älteste jener althochdeutschenDenkmäler, die durch Karls Gesetzgebung hervorgerufen worden sind. Ver-anlaßt wurde er durch die Admonitio generalis a. 789 5 ) und nicht viel späterist auch seine Abfassung anzusetzen. Die Admonitio enthält schon die vierPunkte 1, 2, 3 und 5 des Weißenburger Katechismus, eine Abweichung bestehtnur darin, daß das Gloria patri (die sog. kleine Doxologie Gloria patri etfilio et spiritui sancto, slcut erat in principio et nunc et semper et insaecula saeculomm. Amen) vorgeschrieben ist, während der Katechismusdas Gloria in excelsis und das Laudamus bringt. Ein besonderer Beweisfür die Entstehung des Weißenburger Katechismus aus der Admonitio oderwenigstens für einen Zusammenhang mit derselben kann darin gefundenwerden, daß in der Sündentafel des Katechismus und in der der Admonitiohinter inmunditia 36 das im Galaterbrief folgende impudicitia fehlt.
Die einzelnen Teile haben nicht alle ein und denselben Verfasser. Daszeigt der Stil. Die schlichte Darstellung der Vaterunsererklärung ist vondeutschem Sprachgefühl getragen, dagegen ist das Symbolum Quicumqueeine wörtliche, interlinearartige Übertragung des lateinischen Textes mit Bei-behaltung der lateinischen Wortfolge des Originals. 6 ) Denselben latinisierten
') Dieselben rühren jedenfalls nicht vondem Glossator her (Kögel, LG. 2, 455), dadieser die Wortglossen immer an den Rand ge-schrieben und mit dem „Glossenzeichen" ver-sehen hat. Diese Adjektiva also sind überhauptkeine Glossen, sondern Nachträge. Obstinatuseinuuillig entspricht ungenöszami, uuidirstn-tigi, hartmuotigi in der Wessobrunner Beichte,MSD. Nr. 90, 93 f., und in der Bamberger
cheite Wessobr. Beichte, MSD. Nr. 93, 122,Bamberger Beichte Nr. 91,151. Die Anwendungdes Adjektivs statt des Substantivs stammtwohl aus Beichtfragen wie bei Martene II, 74:fuisti superbus, invidiosus usw.
2 ) Hahn, Bibl. der Symbole 3 § 25; Kat-tenbusch 2, 824 Anm.
3 ) Hahn §150.
4 ) Ein mhd. Text der Münchner Hs. Cgm.
Beichte, Nr. 91,121 f.; oder es ist zu stellen zu I 589 ist abgedruckt bei Massmann, Abschwö-einstritigi, MSD. Nr. 90, 108 und Nr. 91, 136. j rungsformeln Nr. 19 S.40. 89—107.
In den Ahd. Gl. 1, 223, 22 (R) wird obstinatusmit einstrlti übersetzt; als Synonyma hat esim lateinischen Grundtext disperatus nebensich, in MSD. 90,109. 91,136 folgt bald aufeinstritigi'zuifäheite'. Dann würde obstinatus
5 ) Scherer, MSD. II 3 , 339 f.; Katten-busch 2, 825.
6 ) Gar schön kann man den Unterschiedzwischen undeutschem und deutschem Sprach-geist beobachten, wenn man mit dem Sym-
wie anxius zu der Todsünde acedia, tristitia j bolum Quicunque des Weißenburger Katechis-gehören, vgl. in unrehtere angista, in träri- \ ,mus die Übersetzung Notkers (MSD. Nr. 79