224 IL Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
den beiden den Inhalt bedingenden Gebieten, dem epischen 1 ) und demreligiösen, der Volksdichtung und der Predigt oder Schule. Episch ist derEingang Einan kuning uueiz ih, mit der Versicherung des Verfassers, daßihm sein Held wirklich bekannt ist. Das 'vornehme' oder 'hervorhebende'ein, = ein gewisser berühmter, verehrter, und die darauffolgende Nennungdes Namens asyndetisch mit dem Prädikat heizsit angefügt, ist eine häufige,Erzählung einleitende Formel. Andere im epischen Stil gebräuchliche Wortesind glthigini 5, arbeidi tholön 10, obar seo lidan 11, eines dinges ent-gelten 20, harte betwingen 24, urloup nemen 27, frö min 30, glsellion,nötstallon 32, in ellian, ellianlicho 39. 42, skild indi sper 42, sang uuasgisungan (Alliteration!) 48, vgl. leoä wces dsun^en Beow. 1159; uuig 48,thegan 50, snel indi kuoni 51, cehanton: fianton 53, so uue hin hio theslibes 54, sigihaft 55, sigikamf 56, uuigsälig 57.
Die dem geistlichen Gedankengebiet angehörenden Ausdrücke erweisensich als solche sofort durch ihre Bedeutung. Die bei Otfrid und im Georgsliedso häufigen formelhaften Bestandteile, Wahrheitsbeteuerungen, Flickphrasen,kommen hier nicht vor, außer dem aus dem geistlichen Vortrag stammendenih uueiz 2 (vgl. Otfrid 1, 1, 80. 27, 69. IV, 17, 3. 22,1. 27, 5. [V, 5, 5]. V, 10, 9.25,55, s. Schütze, Beiträge zur Poetik Otfrids S. 48; ähnlich daz weiz ihGeorgslied [Braune] v. 26. 33. 41).
Viel Gemeinsames aber hat der Wortschatz des Ludwigsliedes mit OtfridsWidmung an Ludwig den Deutschen. Beide Dichtungen haben ja den gleichenZweck. Es sind Preislieder auf Fürsten und das Idealbild ist der christlicheRitter. Der Held wird eingeführt mit dem Namen heizsit her Hluduig Ludw. 1,Ad Ludow. 18 wird die Nennung wiederholt: ther heizit auur Ludouuic; erdient gerne Gott Ludw. 2, das tut auch immer der deutsche Ludwig Ad Ludow.66; er hat ein Gefolge, githigini Ludw. 5, dessen wird auch in der Widmungnicht vergessen: gidigini Ad Ludow. 26; Mühsale leiden, arbeidi tholön Ludw.10 mußte auch Otfrids Ludwig: thulta . . . manago arabeiti Ad Ludow. 38,thulta . . . arabeito ginuag 47 f., vgl. auch 41; die Getreuen danken Gott, daßder König zurückkehrte, gode thancödun Ludw. 29, sie danken Gott, daß erihrem König immer in Gefahren geholfen, thes thanke ouh sin githigini 26,vgl. gote thankön Ad Ludow. 25. 30; god . . . mir selbo giböd Ludw. 33, vgl.auch 26 — thaz imo druhtin giböt Ad Ludow. 63. 71, vgl. auch 90; derWunsch langen Lebens wird dem König ausgesprochen so bräche her eslango Ludw. 6 — lango, liobo druhtin min, läz imo thie daga sin 35, langoniaz er libes 74, lang sin daga sine Ad Ludow. 77; der Herr möge denKönig erhalten, gihalde inan truhtin Ludw. 59 — thaz (Gott) sulichankuning uns gihialt Ad Ludow. 27; mih selbon ni sparöti Ludw. 35 —then spar er nü zi libe Ad Ludow. 28. 2 )
!) Kögel, LG. 2, 88—92.2 ) Die Frage nach dem Verhältnis des Lud-wigsliedes zu Otfrids Evangelienbuch (Kögel,
LG. 2, 88 ff.; P. Meyer, Das Ludwigslied undOtfridsEvangelienbuch,Beilage zum ^.Jahres-bericht der Realschule in Eimsbüttel zu Ham-