VIII Vorwort.
lichem Streben und rastloser Hingabe hat das deutsche Volk an seiner Bil-dung gearbeitet und ein Zeugnis dafür ist auch die Geschichte der alt-hochdeutschen Literatur. Sie ist ausgesprochen Erziehungsliteratur. Nichtglänzende Geistesschöpfungen sind hier entstanden, aber der Segen stillerArbeit hat eine reiche Zukunft vorbereitet und der Grund ist gelegt worden,das Göttliche in einer neuen, höheren Form zu verehren.
Bei der Beschäftigung mit dem Buche bin ich mir stets bewußt ge-wesen, wie viel ich den Vorgängern zu danken habe, vor allem den Heraus-gebern des Grundwerkes der althochdeutschen Literaturwissenschaft, derDenkmäler; den Verfassern der reichhaltigen althochdeutschen Literatur-geschichten, Kelle und Kögel; dem Meister der althochdeutschen Gram-matik, Braune. Die geistige Anregung, die von Scherers Literaturgeschichteauf unsere gesamte Deutschwissenschaft ausgegangen ist und stets aus-strahlen wird, empfinde auch ich als eine Bereicherung inneren Lebens.
Die Herstellung des Bandes hat durch den Krieg starke Unterbrechungerlitten. Im Frühjahr 1914 war das Manuskript in die Druckerei abgegangen.In der ersten Zeit des Krieges, nachdem etwa zwei Drittel gesetzt waren,wurde in Vereinbarung mit dem Herrn Verleger der Druck eingestellt underst in diesem Frühjahr wieder aufgenommen.* Die Verzögerung bedaureich nicht, ich hätte auch noch ruhig weiter gewartet. In diesem Ringenum das Schicksal unseres Vaterlandes, in dem wir alle zusammenstehenmüssen, treten die Interessen des einzelnen zurück.
Dem Herrn Verleger und dem Herausgeber des „Handbuchs", demverehrungswürdigen Manne, dessen Augen nun nicht auf dem vollendetenBuche ruhen werden, an dessen Zustandekommen er so warmen Anteilgenommen, bin ich sehr zum Dank verpflichtet für das Vertrauen, das siemir durch Übertragung der Arbeit erwiesen haben. Möchte das Buch derAufgabe entsprechen, die dieser Sammlung gestellt ist, beitragen zu helfenzur „Pflege heimischer Empfindungen und vaterländischen Sinnes". Dannwürde es seinen Zweck erfüllen.
Greifswald
Gustav Ehrismann
Die mittlerweile erschienene Literatur siehe in den Nachträgen S. 451 ff.