zurückstand. Erzbischof Anno, der in Siegburg nach seinem Wunsch begrabenwurde, veranlaßte u.a. schon die Reform der stadtkölnischen Abtei St. Pantaleonnach Siegburger Norm.
Obwohl als kölnisches Eigenkloster gegründet, gelangten die Grafen von Berg um1120 in den Besitz der - allerdings nur faktisch - erblichen Vogtei über Siegburg.In dem erbittert geführten Siegburger Vogteistreit konnten die bergischen Dynastenihre im Grunde usurpierten Rechte gegen den Kölner Erzbischof Heinrich vonMolenark (1225-1238) durchsetzen. Die aus dieser Vogtei herrührende bergischeLandeshoheit konnte freilich erst 1676 (!) vollständig durchgesetzt werden. ImLaufe des 12. Jahrhunderts gewann die zu Füßen des Klosterberges gelegene Sied-lung, die älter als die Abtei war und ursprünglich mit der pfalzgräflichen Burg derEzzonen zusammenhing (Servatiuspatrozinium der Pfarrkirche), städtischen Cha-rakter. Die Äbte der Benediktinerabtei haben die Stadtherrschaft über Siegburg biszur Säkularisation bewahren können, sie wurde auch durch die Durchsetzung derbergischen Landeshoheit im 17. Jahrhundert nicht wesentlich eingeschränkt.
Im spirituellen Bereich begann der Niedergang der Abtei - zumindest, was die ei-gentlich monastische Tradition betraf - schon im 13. Jahrhundert. De facto beganndamals die zunehmende strukturelle Angleichung der Mönchsgt.neinschaft an denTypus eines Kanoniker Stiftes. Im 15. Jahrhundert schloß sich Siegburg, als einegroße Ausnahme im nordwestdeutschen Raum, nicht der Bursfelder Reformkongre-gation an. Während der Reformationszeit kam die Abtei in eine wirkliche Krise.Führer der Protestanten innerhalb des Konvents war der Prior des Klosters undPropst von Oberpleis, der geldrische Adlige Daniel von Kri(e)ckenbeck, der nachVerlassen des Klosters die Witwe des rheinischen Humanisten Gisbert Longolius( + 1543) heiratete. Abt Hermann von Wachtendonk (1550-1578) mußte von 1568bis 1572 einen lutherischen Stadtpfarrer in Siegburg akzeptieren. Um die Mitte des17. Jahrhunderts erlebte Siegburg in gewisser Weise eine Renaissance des monasti-schen Lebens. Dies war ganz überwiegend das Verdienst des Abtes Johann Bockvon Pattern (1653-1672), der nacn Mißerfolgen und gegen ihn erhobenen Anschul-digungen zugunsten des Kardinals Gustav Bernhard von Baden, eines Konvertitenaus dem badischen markgräflichen Hause, zurücktreten mußte. Unter Abt JohannBock ist zum ersten Mal für die Geschichte der Abtei ein "hauptamtlicher" Biblio-thekar namentlich überliefert. Es handelt sich um den Konventualen Wilhelm Rut-ger von Bellinghausen, der als dritter Nachfolger Bocks 1695 bis 1697 selbst Abtwurde. In der bibliothekarischen Amtszeit Bellinghausens sollen große Buchan-schaffungen getätigt worden sein, von denen allerdings heute weder direkte Relikte
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