Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
349
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.schwind sich von seinen Bewegungen übereilen und erschüttern lasset / ist dem gemeinen Ruh-Stand auffs äusserste schädlich; und wer von Zorn= und Rach=Begierde erröthet, dem stehetder Ehren-Purpur nicht wohl an. Jedoch dörffte man einwendenSopocl. àGenerosa pectora mordent,Oedip.Lacerant inique objectaCriminaWer Ehr und guten Nahmen liebet /Wird schmertzlich in der Seel betrübet;Wann man von ihme ungescheutViel Laster fälschlich ausgestreut.Sener. inIra, quæ tegitur, nocet.Ingleichem:Med.Nichts ist / daß mehrers schädlich fälltAls wann man seinen Zorn verhällt!Und abermahl:Calidi plus est illis, quibus acria cordaLucret.Iracundaque mens facilè exardescit in iras,Nec capere irarum fluctus in corpore poſſunt.Die so in ihrer Brust ein starckes Feuer tragenMag eine schlechte Sach leicht in den Harnisch jagen:Die Flamme brennet bald / und fangt zu toben an;So daß der Leib die Wuth des Zorns nicht fassen kan.Ja! deme mag also seyn! aber ists nicht auch ein Zeichen eines schwachen und niedrigen Ge-müths / wann man sich von einem Weiblichen Fehler überwinden lasset? Dieses geschiehet Senec. denur bey schlechten Gemüthern / die sich selbsten unterdrucken und niederwerffen. Ein tapfferer Constant.Mann verliehret seinen Ruhm, wann er selbigen zur Unzeit und mit Zorn vertheidiget. Ein c. 10.langsamer Gang zeigt einen Großmüthigen Mann an / wie Aristoteles versichert. PtoloArist. 2.maeus, König in Egypten / ward von einem ungeschickten Schul=Fuchsen einsmahls wegen Erb. c.8.seiner geringen Ankunfft beschimpfft: Da nun alle seine Hoff=Bediente solches nicht zu ertra-gen vermeinet / und begehret / daß der Lästerer gebührend abgestrafft werden solte; ließ der Kö-nig doch nicht das geringste zornige Wort von sich hören / sondern sagte: Wann es einem Kö-nig nicht wohl anstehet übler Nachreden zu erdulden; so ist auch dieses nicht Königlich / wannmann jemanden verlästert. Dann es zeigt sich niemahlen klärer, daß einer ein König seye, alswann er sich selbsten beherrschet: gestalten derjenige / so sich leicht erzornet / dem Willen dessen /der ihn zum Zorn reitzet unterworffen ist. Kayser Aurelianus führte einen trefflichen Gedenck-Spruch: Je grösser / je sanfftmuthiger. Aber / wie? schadet nicht der Zorn / wann man ihnverhält? Keines weges: Viel mehr schadet er, wann man ihm Platz und Raum giebet.Vernehme den Senecam, der die schöne Früchten des Zorns nach der Länge her erzehlet:Schaue / sagt er / die fürnehmste Städte an / deren Grund=Feste fast man nicht mehr kennet:-der Zorn und die Rache hat dieselbe übern Hauffen geworffen; Schaue die viel Meilen-grosse, Wüsteneyen an, die nicht mehr bewohnet werden: der Zorn hat selbige verheeret;-Schaue so viel berühmte und in den Geschichten bekannte Fürsten an; wie unglücklich es ih-nen ergangen: den einen hat der Zorn in seinem Schlaff=Zimmer, und den andern an seiner-Taffel in Noth und Todt gestürtzt. Der Zorn ist ein Feuer welches in dem man es bewegt,zunimmt; und zu einem ungeheuren Brand anwächset. Kan ein Politicus sich selbsten nichtüberwinden / noch sich hüten / so solle er ihme zum wenigsten die Verzögerung angewöhnen.Differ; habent parvae commoda magna morae.Such nur Verzögerung; laß Stund und Zeit verstreichenEin kleiner Auffschub kan offt grossen Nutzen reichen.Occul-