der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Weißheit überkommen? von nirgend / als daher / daß er nach Art der Mineralischen Wasser alleErden=Winckel durchgekrochen, und anderer Völcker Sitten und Gesetze ihme bekannt ge-macht hat. Homerus soll hievon Zeugnus geben, welcher diesem tapffern Kriegs-Helden we-gen seiner langwierigen und weiten Reisen einen herrlichen Lob-Spruch ertheilet / und sein Buch Horas.nach des Horatii Dolmetschung mit folgenden Worten anfahet:art. Poet.Dic mihi, Musa, virum, captae post tempora TrojaeQui mores hominum multorum vidit & urbes.Erschein O Goͤttin! mir; benenne mir den HeldenUnd gib mir ein / was ich von ihme solle melden;Die nach Eroberung der starcken Trojer-StadtViel fremde Land / und Reich / und Städt durchreiset hat.Der Trojanische zehen=jährige Heer=Zug / und die grosse theils glücklich= und theils unglücklicheZufälle haben zwar dem Ulyssi eine treffliche Erfahrenheit beygebracht; die beschwerlichelange Land- und Wasser-Reisen aber ihne noch viel klüger gemacht; wann nemlich dißfallsdem Cassiodoro zu glauben / welcher behaupten will: Es seye zuweilen nutzlich / zu Erlangungder Weißheit / daß man sein Vatterland nicht viel achte: dann so Ulysses dieses nicht gethanhätte / würde er vielleicht zu Hauß wenig berühmt worden seyn. Junge Bäume von guter Artpflegt man auf eine Zeitlang in einen andern Boden zu versetzen / damit sie desto grössere Früch-te tragen mögen. Und warum wolten wir edle Gemüther nur allein an ihre Heimath binden?Unverständige Leute seynd es / die aus einem plumpen Hochmuth fremde Dinge unwerth achten; welches sie aber gewißlich nimmermehr thun würden / wann sie selbige recht erkenneten.Ist nicht Lycurgus in Egypten und Griechenland gereiset / und hat daselbsten die Rechte studi-ret? Hat nicht Pythagoras, damit er gute Gesetze erlernen und schöne Wissenschafften erlangenkönte / sich zu denen Magis in Persien begeben; und von dannen wieder nach Sparta gekehret?GOtt hat nicht allen Ländern alles gegeben: Dann gleichwie ein jedes Erdreich nicht allerleyFrüchte hervor bringet; also finden sich nicht in jedem Land alle gelehrte Leute beysammen / son-dern seynd hin und wieder in zerschiednen Orten ausgetheilet. Und wann schon die Reisensonst keinen Nutzen hätten / so wäre doch dieses genug / daß man nach des Menandri Zeugnus /dardurch sich eine Bescheidenheit angewehnet. Dannenhero jenem Poeten kein Gehör zu ge-ben ist / welcher schreibet:Felix, qui propriis aevum transegit in agris;Laërt. l.1,in Archit.Ipsa domus puerum, quae videt, ipsa senemWer immer / so lang er gelebet /Auf seinem Land=Gut zugebracht;Wer stets in seiner Hütt geklebetUnd nie nach fremder Lufft getracht;Wer in dem Hauß wo er erzogenAuch endlich graue Haare kriegt:Der schätzt sich billich für vergnügt;Ihm ist das Glücke recht gewogen.War nicht der Macedonische Alexander glückseelig? welcher von sich zu rühmen pflegte / daßer den grösten Theil der Welt durchzogen seye / und mit eignen Augen mehr gesehen und geler-net habe, was zur besten Unterweisung eines Königs dienet; als andere Monarchen jemahlshätten mit den Sinnen und Gedancken erreichen können. War nicht Sosostris, König in Egypten / glückseelig? der da gantz Arabien / Lybien / Mohrenland / und Indien biß an das grosseWelt=Meer durchgereiset / und endlichen bey den Fluß Tanais eine Pflantz=Stadt erbauet / auchzugleich hohe Säulen zum immerwehrenden Merckmahl seiner gethanen Reisen auffgerichtet.War nicht der Pontische König Mithridates glückseelig? welcher durch abgelegte Reisen zu= plu. &wegen gebracht / daß er zwey und zwantzig Völckern / die er beherrschte / und zwar einem jeden in Sabel l. 10.seiner Sprach das Recht sprechen konte. Aber / die alte Exempel bey Seiten gesetzt: Wer warglücklicher als Kayser Carolus V.? Ist selbiger nicht neunmahl in Teutschland / sechsmahl in Zenogar.Spanien / siebenmahl in Welschland / zehenmahl in Niederland / viermahl in Franckreich / und in vitazweymahl in Engelland und Africa verreiset? Hat er nicht letztlich auch die Mittelländische See Caroli.achtmahl / und das grosse Welt=Meer dreymahl überschiffet? Damit er nemlich nach des Tra-Qq 3
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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309
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