Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
307
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Dinge erfordern vorhero bey denen Organis eine solche Tüchtigkeit / die hernach von denen Cör-perlein / die vorbesagten Wassern untermischet seyn / gäntzlich zerstöret wird. Im übrigen achteich nebst andern gleichmässigen Erzehlungen für ein pur lauteres Fabel-Werck, was man voneinem Bronnen bey denen Garamanten / der bey Nacht siedheiß / hergegen bey Tag Eyß=kaltseyn solle / vorgeben will: Daß aber etliche Wasser / ob sie schon kalt / doch gleichsam zu siedenscheinen / dieses rühret von dem hervorbrechenden Dampff oder Wind her. So ists auch keinWunderwerck / wann einige Wasser allzeit häuffig anrinnen und doch nicht auslauffen; indemsie wie die Schöpff=Bronnen mit ihrer Quelle Waag=recht stehen; oder es muß das Wasser,so durch einige Gange herbey fliesset / durch andere seinen Ablauff haben. Ferner ist nicht min-der leicht zu ergründen / warum etwelche Bronnen alles / was man hinein wirfft / an sich ziehenund verschlingen: Gestalten entweder das hinein geworffene schwerer ist / als das Wasser / oderaber leichter: ist es schwerer, so muß es nothwendig zu Boden fallen und untergehen; ist esaber leichter / so kan niemand läugnen / daß / was leicht ist / auch dünn und subtil seye; und folg-lich das Wasser ein dermassen subtiles Wesen habe / daß leichtlich ein jeder Cörper von selbigemdurchdrungen werde; massen auch ein genetztes Papier zu Boden sincken wird: welches eben-falls von dem Holtz, den Blättern der Bäume, und den Federn, ausser welchen doch nichtsleichters ist / gesagt werden kan: und solcher gestalten gehen die Baum=Blätter auf dem Aver-nischen See zu Boden; weilen nemlich das Wasser wegen seiner Subtilheit alsbalden den gan-tzen Cörper des Blatts durchgehet; hergegen schwimmet in dem Agrigentischen See wegen derDickheit selbiger Wasser, die gar viel untermischtes Pech haben, alles oben und sincket nichtszu Grund.Politische Schluß=Rede.Ein Politicus oder Welt=Mann solle fremde Länderbesuchen.Je Erde hat auch inwendig ihre Länder und Gegenden / die gewißlich wohl werth seyn /daß man sie nicht minder besehe / als bewundere: Sie hat so viel Städte / Flecken undDörffer / als unterirrdische Gänge / Höhlen und reiche Ertz=Gruben zu finden sind. Wannein zur Natur=Erforschung geneigt und begieriges Aug eine Reise dahin thun könte / wie reichan Wissenschafft würde des Menschen Gemüth aus diesem tieffen Abgrund wieder zuruck kom-men? Was nun dem Menschlichen Auge versaget ist, das haben die mineralische Wasser mithöchstem Nutzen zu geniessen. Dann / wan sie kaum aus dem Meer / als ihrer Gebuhrts=Stadtausgehen / und hin und wieder durch die unterirrdische Gänge wanderen / so ändern sie alsbal-den ihre dicke Saltzigkeit / nehmen dargegen die liebliche Natur eines süssen Nasses an sich / undseynd nicht vergnügt / daß sie sich der Kräfften und Tugenden zerschiedener Mineralien theilhaf-tig machen, sondern sie führen noch über diß untermischte Gold= und Silber=Cörperlein mit sichan des Tages=Liecht hervor; also daß man wohl einem dergleichen weit=reisenden Wasser mitrecht die Wort beysetzen kan:Er kommt zuruͤckMit reichem Glück!Dieser Nutzen aber der unterirrdischen Reise stellet einem Politico oder Welt=Mann denjeni-gen Vortheil vor Augen / den er sich erwerben kan / wann er auf der Ober=Erde fremde Länderdurchwandert. Höre / was Lipsius sagt: Das Reisen ist ein Mittel / wodurch man Klugheitund geübte Sinnen erlangt. Man wird alsbalden ein andrer Mensch / wann man in ein an= Plin. cert.deres Land kommt; wie ein Wasser reiner wird / wann es durch viele enge Erden=Gänge hin=miscell.durch lauffet: also reinigt sich auch ein Gemüth durch Besichtigung fremder Länder von denangebohrnen und zu Hauß angewohnten Unartigkeiten. Vermittelst dieser wohlständigenWanderung ist in unserem Vatterland die alte und rauhe Teutsche Gestalt / welche Tacitusmit unangenehmen Farben abgemahlt, nunmehro gantz verschwunden, so daß anitzo an derTeutschen ihren Sitten der Italiäner scharffer Verstand, der Frantzosen freye Manier undHöfflichkeit, der Engelländer Freundlich= und Beredsamkeit, der Spanier Standhafftigkeit undtapfferes Wesen völlig hervor leuchtet: Dann man höret viel auf Reisen (ist des Francisci Pa-tritu Urtheil) man lernet viel / man siehet viel / so sich weder durch Unterweisung / noch scharffe Patrn. l. 3.Zucht nimmermehr ergreiffen lasset. Nemlich / auf den Reisen besiehet man Staͤdte und Ve= de regno.stungen / daß man ihre Stärcke / Lager und Zugänge sich bekannt mache; Man erkundiget dieQq 2Natu