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Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
171
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der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Schwalben=Wind gantz niedrig und auf dem Erdboden daher / und ist unter allen Winden derlieblichste und angenehmste; verkehret sich aber gemeiniglich in einen West=Wind.§. 8. Der Wind / den die Lateiner Exhydrias, und die Teutschen einen Wolcken-bruch nennen entstehet / wie Kircherus wohl erinnert / auf zweyerley Weiß: Dann entwe-der verkehret er den Wolcken=Last in Wasser / und wirfft dasselbe nicht Tropffenweiß auf die Er-de / sondern gießt es völlig und auf einmal aus / und überschwemmt alles / was ihme vorkommt;oder er entspringet auch aus dem untersten Grund deß Wassers: wann nemlich aus dem Meer,welches bey stillem Wetter dermassen ruhig stehet / als wann es mit Besemen gekehret wäre / eingewisser Dampff herfür bricht, der in Gestalt einer Trompete allgemach sich weit in die Höhehinauf ziehet; hernach aber sich also auseinander breitet, daß nicht nur das Meer und Himmelgantz mit einer dicken Finsternus bedecket werden; sondern auch alsbald die grausamste undwütigste Winde erfolgen / die die See dermassen bestürmen / daß kein Mensch ihme diese entsetz-liche Wellen-Raserey genug einbilden, noch leichtlich ein Schiff, wann selbiges in dergleichenWind gerathen / sich aus solcher Gefahr erretten kan. Ersagte Wolckenbrüche pflegen gemei-niglich in unsern Landen sich zu begeben / wann die Lufft insonderheit sehr still / dünn / subtil undwarm ist / auch aus schwartzen / schweren / und nahe auf der Erden schwebenden Wolcken beste-het; und zwar fürnemlich an denjenigen Orten, wo der Wind zwischen einer langen Reihe zubeeden Seiten stehender Berge nicht mächtig ist, etwas unten zu ergreiffen, noch solche Wol-cken aufzuhalten / und anderswohin hinzu treiben: Dann auf flachen Feldern und an ebenenOrten hat man sich nicht leichtlich dergleichen Wolckenbruchs oder Winds zu besorgen.Es fället aber die Frage vor / Erstlichen: Warum die Nord= und Sud=Winde viel heff-tiger und wütender als die Ost= und West=Winde seyen; ungeachtet an etlichen Orten das ge-rade Widerspiel sich ergebe? Antwort: Weilen die starcke Winde, wie die Erfahrung bezeu-get / aus denen Bergen entspringen: Welches dann dahero kommt / daß aus denselben einegrosse Menge Geister, die aufs hefftigste erregt werden, ausdünsten: Die Berge aber reichengemeiniglich in Teutschland / Franckreich / Spanien von Norden nach Westen; und wird auchgantz Atrica von Bergen / die von Norden gegen Westen gehen; Item / gantz Asien von demSinesischen und anderen nach solchem Welt=Theil sich hinziehenden Gebürgen gleichsam durch-schnitten; nicht weniger das Westliche America und ein guter Theil deß Nordlichen von Ber-gen / die von Norden nach Westen sich strecken / entzwey getheilet. Wann man nun bey dieserGelegenheit weiters fragen wolte: Warum die Natur die Berge also von Norden gegen We-sten gesetzet habe? So wäre zu antworten: Die Berge seyen gleichsam der Erden Gebeine,wodurch sie wider und gegen dem Meer / absonderlich gegen dem Ocean oder grossen Welt-Meer befestigt und gegrundet stehet / damit sie von desselben Gewalt nicht zerrissen oder zertrüm-mert werde: Dann das grosse Welt-Meer erstrecket sich seiner Länge nach von Osten in We-sten / und schläget mit seinen Wassern an die Nordliche und Sudliche Ufer; so daß demnach be-sagte Ufer mit vielen Bergen, die von Norden nach Westen oder Mittag reichen, musten befe-ſt, et werden.Zweytens: Warum bißweilen Stein und Holtz zu schwitzen oder feucht zu seyn scheine?Antwort: Es rühret nicht daher / daß etwa Stein und Holtz dererley Feuchtigkeit von sich aus-stosset / wie der gemeine Mann darfür hält; sondern die Winde führen solche Dämpffe herbey /die sich hernach an Stein und Marmor anhängen, und wann sie erkalten, sodann zu Wasserwerden.Aus obigem allem nun last sich schliessen; Erstlichen / daß denen vermeldten Eigenschaff-ten der Winde noch mehr andere könnten beygefügt werden: Dann ohne die Winde wird nie-mand das Meer beschiffen; ohne die Winde würden lauter Seuchen und Kranckheiten regie-ren; ohne die Winde ist die Erde unfruchtbar, die Thiere entseelt, ja die gantze Welt Athemloß; so daß alles ohne den Wind todt und erstorben seyn müste.Zweytens: Daß die Winde ihre Eigenschafften von demjenigen Mittel=oder Zwischen-Raum, durch den sie gehen, wie oben schon erwehnt, hernehmen und empfangen; welches auchKircherus mit folgender Probe dargethan und erwiesen: Mache dir eine lange Röhre in Formeiner Trompete; befestige selbe also / daß der weitere Theil ausserhalb deß Zimmers stehe / derkleinere aber durch ein rundes Loch in besagtes Zimmer hinein reiche; und streue sodann in die-ser Röhre Mundung, die ausser dem Zimmer ist, wohlriechende Blumen: Wann nun einWind gehet / so wird man eben den guten Blumen=Geruch im Zimmer vermercken / den dieausser demselben in der Röhre befindliche Blumen von sich geben.Poli-2