Druckschrift 
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
Entstehung
Seite
108
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Philosophische und Politische Beschreibung108Wann allzuviel Wasser / und zwar mit ungedämmtem Gewalt auf ein Wasser=Rad anschies-set / so wird solches dardurch nicht nur nicht umgetrieben / sondern vielmehr zerrissen und zerbro-chen. Die Kräfften gehen zu Grund/ wo sie über die Gebühr angewendet werden: Dann auchein Pferd weißt seine Last / die es zu ziehen hat; und ein Cameel wirfft das / was ihm zu viel auf-Sen. epiß. geladen worden / von sich; und nimmet nicht mehr auf / als es ertragen kan. Die Last mußnach den Kraͤfften eingerichtet / und nicht mehr aufgelegt werden / als wir tuͤchtig seynzu erheben. Wer mit dem Sisypho immerzu den wiederabfallenden Stein übersich weltzenSen. c. 15. der verrichtet eine vergebliche Arbeit / und wird ohne Nutzen ermüdet. Man muß dem Gede tranqu müth eine Freyheit vergönnen / und selbiges Athem schöpffen lassen; dann durch dieRuhe gewinnet es neue Krafft und Stärcke. Fruchtbaren Aeckern soll nicht zu viel zuge-muthet werden; als welche bald zugrunde gehen, wann sie unausgesetzter Früchte tragen solleEin munterer Kopff wird durch stetige Arbeit ausgemergelt: Wer aber zu Zeiten ein wenig Ruhe geniessen kan, der erlanget wieder seine alte Kräfften: Dahero haben auch die GesetzgeberFeyer=Täge verordnet / damit sie denen Müden zu einer Erquickung dienen könnten. Von un-mässiger Arbeit werden die Sinne gantz stumpff gemacht und verderbt; und wer hergegen sei-ne Geschäffte mit etlichen müssigen Stunden untermischet / der erhohlet sich / und kommt gleich-sam wiederum zu sich selbsten. Ein Bogen / den man zu starck spannet / zerbricht; so er aber mäs-sig angezogen wird / so schicket er den Pfeil nach dem verlangten Ziel. Nichts ist schädlicherin dem gantzen menschlichen Leben / als die Ubermaß / und so der Sachen zuviel geschie-het. Es muß sogar ein Ochs unter der schweren Bürde und dem Joch erliegen; UndOvid. l.1.Fructibus assiduis lassa senescit humus.de pont.Ein Feld / so man stetshin zu Früchten angesäht /eleg. 5Ermüdet sich zuletzt / daß es zu grunde geht.die Spinne wird durch ihr immerwährendes würcken und weben gantz ausgeleert; Ein Baunder allzufruchtbar ist / verdirbt durch die Menge seiner Früchten; und ein Wetzstein / den ma-durch mässigen Gebrauch schön und gläntzend erhält / wird von allzustarckem reiben völlig abge-Alphoui nutzi. Nur nicht zuviel! Ist ein Sprichwort / so mir über die massen wohl gefallenin epigr.Fecit me libra rebellem.Die Waage machtMich ungeschlacht.In librâ residens non aequâ lance cometesDicitur, in Regum sceptra citare viros.Sarcina ne nimio divexet pondere gentem:Excedens vires frangit & angit onusWann ein Comet sich in der Waage sehen lasset;Und dieses Zeichen ihm zu einem Sitz erwählt;So wird allzeit daraus die Deutung abgefasset /Es werde von dem Volck ein Aufruhr angestellt.Man soll den Unterthan nicht allzuhefftig drücken:Dann überschwere Last macht brechen und ersticken.Wünff