der in der obern Lufft erzeugten Dinge.Aus welchem allem der Schluß zu machen / Erstlichen: Daß die Cometen allezeit et-was Unglückliches oder gantz unvermuthetes vorbedeuten, und Zeichen seyen, die GOtt darumsehen lasse / damit er denen / die ihn förchten / eine Erinnerung thue / und sie ermahne / vordem Angesicht deß Bogens zu fliehen. Doch will ich dabey nicht in Abrede seyn, daß dieCometen zugleich diesen oder jenen zu einem Glücks-Zeichen dienen mögen; Dann es ist nie-mahlen etwas dem einen so schädlich / daß nicht dem andern hergegen nutzlich seyn könne; gleich-wie auf solche Weise den Aertzten nichts erwünschters fürkommet, als wann viel Seuchen undKranckheiten sich ereignen. Es wird aber derjenige auch keines Weges der wahren Philoso-phi verfehlen / welcher mit dem Francisco Resta darvor halten will / daß manchmalen die Come-ten von denen Englen, um uns dardurch eine heilsame Forcht beyzubringen, an dem Himmelformirt und aufgestellt werden.Zweytens: Daß man nicht schlechter Dingen derjenigen Meynung verwerffen solle,die da aus der heiligen Schrifft und denen Zeugnussen der alten Rabbinnen vorgeben; der Him-mel seye das Buch der Natur, die Sterne aber gleichsam die darinn verzeichnete Buchstaben;und pflege GOtt, wann er denen Menschen ein künfftiges ausser=ordentliches Unglück verkündi-gen wolle zu dem Ende ausserordentliche Sterne an dem Himmel scheinen zu lassen: dann derHöchste / schreibt P. Kircherus in seiner neuen Physiologia, bedient sich zum öfftesten der natür-lichen Ursachen für Sinn=Bilder aus denen die Menschen lesen und abnehmen sollen / was dieGöttliche Weißheit an den Himmel / auf die Erde / und in die Elemente geschrieben; damit / fallssie aus den Wegen der Gebotten GOttes tretten / er ihnen dardurch einen Schrecken undForcht erwecken / und sie zur Besserung bringen mögen. Ricciolus aber setzet noch diese Lehrehinzu; daß nicht nur die Haußvätter / gesparsam und fürsichtig das Haußwesen einzurichten / son-dern auch die Obrigkeiten / ansteckenden Seuchen und Kranckheiten / unreiner Lufft / wie auchKrieg und Unruhen vorzubeugen, ermahnet werden sollen. Und hieraus wird wider den Lon-gomontanum gefolgert: daß der Cometen End=Ursach und Zweck durchaus nicht / alleinig inder Reinigung der Lufft bestehe.Drittens: Daß gesetzt; der Cometen Erzeugung geschehe gantz natürlicher Weiß (wor-über viel Authores sich hefftig zerzancken) es doch keine Folge gebe / daß sie nicht auch ein ausser-ordentliches Zeichen eines andern Dings seyn könnten; zum Exempel: Der Regenbogen ent-stehet aus gantz natürlichen Ursachen; ist aber auch zugleich ein Zeichen der Göttlichen Gnade /und deß mit dem menschlichen Geschlecht aufgerichteten Bundes. Und ob gleich der Cometaus der Natur seinen Ursprung hat; warum solte die Göttliche Vorsicht nicht aus sonderbah-rem Absehen auch verordnen können, daß er alsdann sich nur der Welt zeige und scheine, wanndie Menschen gestrafft werden sollen?Vierdrens: Daß / wann schon nicht auf alle Cometen ein Unglück erfolgt / sie nichts de-stoweniger dasselbe haben vorbedeuten können; eben wie deß Jonas Prophezeihung der StadtNinive den Untergang verkündiget; der jedoch hernach unterblieben; dann die Göttliche Rachepflegt mit ihrem Donner=Strahl innen zu halten / wann sie siehet / daß wir uns von denen Sün-den abwenden / und bekehren.Fünfftens: Daß / wie wir oben aus dem Kirchero angemerckt / obschon viel Könige undFürsten gestorben, auch viel Länder und Provinzien ruiniret worden, ohne daß man vorher ei-nen Comet gesehen / dieser letztere doch gleichwolen / wann er erscheinet / ein Zeichen eines bevor-stehenden Übels und Unglücks verbleibe: Dann es fallen auch viel und grosse Regengüsse ausden Wolcken auf die Erde / ohne daß solches durch einen Regenbogen angezeigt worden: undnichts destominder bleibt der Regenbogen ein Zeichen deß Regenwetters; inmassen GOtt nichtverbunden ist, allzeit aus dem Schatz der Natur Zeichen und Wunder an dem Himmel auf-zustellen / und dardurch zur Busse zu ermahnen.Sechstens: Daß jedoch aber diejenige Deutungen der Cometen / die man bey Pliniound anderen Scribenten findet, (nemlich; wann ein Comet wie eine Flöte gestaltet seye, er de-nen Musicanten Unglück drohe; und wann er in gedrittem Schein mit einem Fix=Stern stehe,denen Gelehrten dardurch eitel Schaden angezeigt werde) ein leeres Gedicht=Wesen seyen:Ferner ist auch deß Paracelsi Geschwätz lauter Schattenwerck / wann er vorgibt; daß ein Comet /der einen hellen Glantz von sich gebe / den Tod grosser Herren; der aber einen Schwantz habe /das Absterben der Geistlichen; und der dunckel scheine / eine Seuche unter denen Bauren bedeu-te: So sind ebenfalls deß Cardani Anmerckungen nicht durchgehends gut zuheissen: Danner vermeinet / ein Comet neben dem Saturno deute auf Pestilentz / Verrätherey / und Unfrucht-barkeit; neben dem Jupiter auf Veränderung der Gesetze / Absterben der Päpste; neben demMars auf Krieg; neben der Sonne auf grossen Jammer in der gantzen Welt; neben demMond auf Uberschwemmungen / auch zuweilen auf dürre Zeiten; neben der Venus auf Todt-Fälle der Fürsten und Edelleute; neben der Cron, in denen Wend=Circklen, und Tag= undNacht⸗
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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105
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