der in der obern Lufft erzeugten Dinge.dann fürgehen müssen / wann der aus selbigen Dünsten ausgehende Rauch wegen der unmäs-sigen Materi sich in die Höhe schwinget / und in dem obern Himmel dick gemacht wird: Weß-wegen auch / ob schon in 30. 40. 50. Jahren kein Comet erschienen / nichts destoweniger schwereUnglücks=Fälle (als grosser Herren Tod Pestilenz/ Hunger/ Theurung / Erdbeben) sich ereig-nen können; inmassen dergleichen Unglück meistentheils auch von ihren nahen Ursachen her-rühren; so daß die Pestilentz der üblen Beschaffenheit der Lufft / der gifftigen Verwesung dertodten Aaße und Thiere / der angesteckten Speiß / und anderen bösen Bewandnussen der Oer-ter / als den nahen Ursachen der Seuchen und Kranckheiten / muß beygemessen werden. Soweit Kircherus§. 3. Alle Cometen / wiewohlen sie an und für sich selbsten einige natürliche Be-deutungs=Krafft haben / seynd doch fürnemlich nach Goͤttlichem Wohlgefallen Vor-Botten deß Absterbens grosser Fürsten / Kriegs / und viel anderer solcher Noth undElendes. Und dieses ist bekannt und erweißlich / zum Ersten; aus deß HErrn Christi Wor-ten selbsten: Ein Volck wird sich erheben über das andere / und ein Reich über das an= Luc. 21.30dere / und werden geschehen grosse Erdbebungen hin und wider/ theure Zeit und Pesti-lentz; auch werden Schreckniß und grosse Zeichen vom Himmel geschehen. Welchessowohl / wie etliche Ausleger darfür halten / von der Zerstöhrung der Stadt Jerusalem / indemenach dem Zeugnus Josephi und Eusebii, ein Comet über der Stadt vor ihrem Untergang ge-standen; als gleichfalls von dem allgemeinen Ende der Welt vor der Zukunfft deß höchstenRichters mag verstanden werden; allermassen viel Lehrer auch in den Gedancken seyn / daß un-ter erdeutem Schrecknus und Zeichen an dem Himmel und denen Sternen gleichfalls die Co-meten begriffen seyn werden; damit durch deren Anschauung die Gottlosen von Sünden abge-schreckt / und zu rechtschaffner Buß aufgemuntert werden mögen. Zum andern: Aus derVernunfft und dem Licht der Natur selbsten; Gestalten alle Nationen / was Religion undGlaubens sie auch seyen / bey dem Augenblick dieser Unglück=drohenden Flammen erzittern / undselbige für Zeichen bevorstehenden Jammers erkennen müssen.Dieses alles bestättigen wir mit denen Cometen deß verwichenen und gegenwärtigenJahrhunderts / so wir aus der Oeconomia mundi mirabili deß Johann Zahnshier anzuführen nicht umgehen wollen: Anno 1500. ward ein Comet von erschrocklicher Grös-se gesehen; da bald darauf der Türckische Kayser Bajazeth denen Venetianern die Stadt Mo-don samt anderen Plätzen in Morea abgenommen; ingleichem eine grausame Seuche / und gros-se Theurung durch gantz Teutschland einzureissen angefangen. Anno 1506. schiene ein Comet;und auf denselben folgte der Tod deß Spannischen Konigs Philippi: Zu Constantinopel aberwuͤtete die Pestilentz/ und that ebenfalls das Erdbeben grossen Schaden; so entstunde auch derzehenjährige Venetianische Krieg / wormit der Kayser Maximilianus, Papst Julius II. LudwigXII. König in Franckreich / und Ferdinandus, König in Spannien mit zusammen gesetzten Waf-sen die Venetianer überzogen. Der Comet in Anno 1511. ward von einer blutigen zwischenSigismundo, König in Pohlen / und dem Groß=Fürsten in Moscau gehaltenen Schlacht beglei-tet / in welcher nahe bey dem Fluß Boristhenes viertzig tausend Moscowitter auf dem Platz ge-blieben; in dem folgenden Jahr aber hat der General Ostragius mit 17000. Polacken aberma-len bey Orta achtzigtausend Russen überwunden und geschlagen. Der Comet in Anno 1515.hat den Tod deß Königs in Franckreich / item erschröckliche Uberschwemmungen / und eine grau-same Pestilentz in Sachsen / Thüringen und Meissen verursacht; so daß kaum der dritte Theilvon denen Innwohnern allda übergelieben: Worzu noch gekommen / daß in dem andern Jahrhernach Ferdinandus König in Spanien / und Ladislaus König in Ungarn gestorben. Nachdem Cometen in Anno 1517. ward Jerusalem von dem Sultan Selim erobert; und hat dieLutherische Ketzerey ihren Anfang genommen. Als in Anno 1521. ein Comet geleuchtet / starbPapst Leo X. und ward Griechisch Weissenburg von denen Türcken eingenommen; begunn-te auch der Krieg, so zwischen Carolo V. und Francisco König in Franckreich lange Zeit gewäh-ret / sich anzuspinnen. Die Cometen in Annis 1526. 1527. und 1528. haben die erbärmliche Ni-derlag bey Mohatz deß König Ludwigs in Ungarn; ingleichem die Eroberung der Stadt Ofenverkündigt; So ist ebenfalls Rom von der Armee Kaysers Caroli V. unter dem Hertzog vonBourbon eingenommen worden auch; haben die Türcken in Teutschland eingebrochen / daraufhinSolymannus die Stadt Wien in Oesterreich belagert / und viel Länder und Provintzien elendig-lich verwüstet. Anno 1533. zeigte sich ein sehr grosser Comet, worauf sich die mit der Ketzereyverknüpffte Englische Spaltung der Ursachen hervor gethan; weilen der Römische Papst dievon dem König Henrico an ihne begehrte Ehe=Scheidung nicht zulassen wollen; weßwegenHeinricus sich selbsten zum Haupt der Englischen Kirchen aufgeworffen. Anno 1537. erschieneein Comet / der grosse Erdbeben / und eine solche unmässige Hitze nachsich gezogen / daß nicht nurBrunnen und Ströhme ausgetrucknet / sondern auch Häuser und Wälder durch das Sonnen-Feuer
Druckschrift
Meteorologia philosophico-politica : Das ist: Philosophische und Politische Beschreib- und Erklärung der Meteorischen/ oder in der obern Lufft erzeugten Dinge; In Zwölff zerschiednen Aus Meteorologischen Fragen/ und Politischen Schluß-Reden bestehenden; wie auch mit zugleich untermischten schönen Sinn-Bildern gezierten Abtheilungen ... Anjetzo ... aus dem Lateinischen in das Teutsche übersetzt
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