gänge, so beginnt die Reihe mit der Wahl des vom Vaterdesignierten Ottos, Herzog von Sachsen. Sie fand in demin seiner Ausdehnung noch heute leicht erkenntlichen Vor-räume des Aachener Münsters, in dessen Paradiese statt.Schon die räumliche Weite gibt es an die Hand, daß an derKönigswahl nicht eine ungezählte Menge von Gemeinfreienaus der Nähe oder gar aus der weiten Ferne teilnehmen konnte.Auch Widukind spricht nur von den Herzögen, Fürsten undRittern, nicht von dem gemeinen, aber freien Volke; von denErzbischöfen, Bischöfen oder dem Klerus ist nicht die Rede.Der aristokratische Charakter des Reiches tritt deutlich hervor.Die Wähler setzten Otto auf den dort unter freiem Himmel er-richteten Thron und leisteten dem Erkorenen das Handge-lübde, ihm gegen alle seine Widersacher beizustehen. „Nachihrer Sitte — sagt Widukind — machten sie ihn zu ihremKönige." So hätte es auch in heidnischen Zeiten vor sichgehen können. Das sind die Teile der Thronfolge im deutschenReiche, die sich nie wieder in Aachen wiederholen sollten 2 .
Dem neuen Könige ging nun mit den Priestern unddem in der Kirche selbst versammelten Volke der ErzbischofHildibert von Mainz entgegen. Der König trat vor, und derErzbischof, der entsprechend dem kirchlichen Rituale denBischofstab in seiner Rechten führte, reichte dem neuenHerrscher die Linke und führte, mit Albe, Stola und Rauch-mantel (planeta) bekleidet, ihn bis in die Mitte des Oktogons,wo er von allen in den beiden Geschossen der Kirche Ver-sammelten gesehen werden konnte. Der Erzbischof fordertedann für den „erst designierten, dann von den Fürsten ge-wählten König Oddo" von dem Volke durch Erheben derrechten Hand den Vollbort. Nachdem es mit großem Jubelseinen Willen bekundet hatte, begann der geistliche Teil derHandlung, die Salbung und Krönung.
Der Mainzer führte den mit fränkischer Tracht bekleide-ten König — er wurde ja durch die Wahl aus einem Sachsen-herzoge der fränkische König — vor den Altar und überreichteihm die Kroninsignien, sie einzeln vom Altare nehmend,zuerst das Schwert mit der Scheide zum Schutze gegen alle