Druckschrift 
1 (1877)
Entstehung
Seite
529
Einzelbild herunterladen
 

Die Gränzen der Staatsgewalt Stuart Mill. 529

Stuart Mill in seiner Schrift über die Freiheit*) unter-nommen hat, dem Gesetz seine Gränzen abzustecken. Denndieser Versuch ist der des gereiften Mannes, und zwischenihm und dem von Humboldt liegt eine Periode langer undernster politischer Erfahrung, liegt der ganze Umschwungder AVissenschaft von dem Individualismus und der Staals-und Rechtsconstruction des Naturrechls zum verständniss-vollen Begreifen des wirklichen geschichtlichen Staats undRechts, der geschichtlichen und naturwissenschaftlichenBetrachtung der sittlichen Welt. Die Autorität, welche derName Mill mit Recht geniesst, macht es doppelt nöthig,die Irrlehre, welche mit ihr bekleidet unsere ganze gesell-schaftliche Ordnung in Frage zu stellen sucht, in ihrerwahren Gestalt zu kennzeichnen, und ich bitte den Leser,mir mit Rücksicht darauf ein Mass der Ausführlichkeit zuverstallen, das ich einem minder bedeutenden Gegner ge-genüber an dieser Stelle keinenfalls mir erlaubt habenwürde. **)

*) Ueberselzt von E. Pickford. Frankfurt 1860. Der Verfasserwendet sich nicht bloss gegen das Gesetz, sondern auch gegen dieSitte und öffentliche Meinung, und wer da weiss, welch unberech-tigten Druck dieselbe im Vaterland des Verfassers in vielen Dingenausübt, die rein iiusserlicher und conventioneller Art sind, und mitder Sittlichkeit nicht das Mindeste zu schaffen haben, wird den Wider-stand, den er dagegen erhebt, nicht bloss vollständig begreifen, son-dern als höchst verdienstlich anerkennen. Für unsere ausschliess-lich dem Recht sich zuwendende Betrachtung kommt diese Seiteseiner Schrift gar nicht in Frage.

**) Auch in England ist Mill auf entschiedenen Widerspruch ge-stossen, s. insbesondere die Schrift von James, Filzjames Stephan,die Schlagwörter Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, übersetzt vonE. Schuster Berlin 1874.

v. Jhering, Ver Zweck im Recht. 34