334 Kap. VIII. Die sociale Mechanik. 2. Der Zwang.
die vollkommnere: die des abstracten Imperativs d. i. diedes Rechts zu substituiren — der Egoismus leitet dieGewalt in die Bahn des Rechts.
Die Begriffe, welche durch diesen Fortschritt ins Lebengerufen werden, sind die der Norm, des Gesetzes unddes Rechts, und es soll auch hier wiederum unsernächstes Augenmerk sein, uns der Anschauungen zu be-mächtigen, von denen die Sprache dabei ausgeht.
Die Form, in welcher die Norm zur Erscheinung ge-langt, ist die öffentliche Verkündigung derselben; sie istdurch den Zweck selber geboten. Denn was allgemeinbeachtet werden soll, muss auch allgemein bekannt ge-macht werden. Unsere deutsche Sprache hat dafür diezwei Ausdrücke: Gesetz und Verordnung. Der er-stere ist der Vorstellung des Setzens entlehnt und kehrtwieder in dem Ausdruck: Satzung. Was haben wiruns unter dem Setzen zu denken? Das öffentlicheSetzen, Ausstellen, damit Jeder es sehe? Das Moment desOeffentlichen ist mit nichts angedeutet; die Vorstellungscheint mir vielmehr folgende zu sein. Das Setzen istdas Aufgeben der Bewegung; wer sich setzt, ist zur Ruhegekommen. In diesem Sinn gebraucht die Sprache denAusdruck: Satz von dem ausgesprochenen Gedanken;damit letzterer in die Form des Satzes gebracht werdenkönne, muss vorher das ihm vorangegangene Denken, dasSuchen nach dem Gedanken oder den Worten, also diegeistige Bewegung zum Abschluss gelangt sein, in dem