304 Kap. VIII. Die sociale? Mechanik. 2. Der Zwäng.
den gesammten Lebensinhalt der Gesellschaft in sich auf-genommen haben, immer bleibt nicht bloss die Thalsachebestehen, dass sein ursprünglicher Inhalt bei Beginn derGeschichte ein relativ bescheidener war, sondern jeder-zeit treibt neben den Zwecken, die er bereits absorbirthat, das Lebensbedürfniss der Gesellschaft neue Zweckehervor, die ihm noch fremd sind, und die so lange ein vonihm abgesondertes selbständiges Dasein in Form der Ver-eine führen, bis sie den nölhigen Reifegrad erlangt haben,um die Hülle, in der sie bisher existirten, zu sprengenund ihren ganzen Inhalt in diejenige Form zu ergiessen,die alles in sich aufnehmen zu sollen scheint: den Staat.Was war der Unterricht einstens? Privatsache. Was dann?Vereinssache. Was jetzt? Staatssache. Was war dieArmenpflege einstens? Privatsache. Was dann? Ver-ein ssache. Was jetzt? Staatssache. Individuum,Verein, Staat — das ist die geschichtliche Stufenleiterder menschlichen Zwecke. Seine erste Aufnahme findet derZweck beim Individuum; ist er grösser geworden, so über-nimmt ihn der Verein, ist er völlig ausgewachsen, so fällt erdem Staat anheim, und mit freier Veränderung der VerseSchillers in den Göttern Griechenlands möchte ich sagen :
Einen zu bereichern unler allen,Muss der Zweck entstehn, vergehn.
Der Staat ist der, der alle Zwecke der Gesellschaftverschlingt; wenn der Schluss von der Vergangenheit aufdie Zukunft ein berechtigter ist, so wird er am Ende der