Druckschrift 
1 (1877)
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252 K ap- VH1. Die sociale Mechanik. 2. Der Zwang.

gewordene Gewalt, nicht also etwas seinem Wesen nachvon letzterer Verschiedenes, sondern nur eine Erscheinungs-form derselben: die rechte, richtige, weil an Regelnsich bindende, also die disciplinirte Gewalt im Gegen-satz der wilden, rohen, weil nur durch die Leidenschaftund den augenblicklichen Vortheil bestimmten, also derregellosen Gewalt. Nicht also das Recht herrscht anStelle der Gewalt, sondern die Gewalt selber herrschtstets und überall, sie nimmt den Thron ein, sie hat dasSchwert in Händen, und das Recht dient ihr nur wie derCompass dem Steuermann. Aber wie nicht der Compass,sondern der Steuermann am Ruder sitzt, eben so hat nichtdas Recht, sondern die Gewalt das Steuerruder in Händen.So ist mithin das Recht nicht etwas der Gewalt Gegen-überstehendes, sondern nur ein Accidens der Gewalt selber,eine von ihr adoptirte Regel, die durch die unausgesetzteBefolgung zu einer Eigenschaft ihrer selbst, zu ihrer zweitenNatur geworden ist. Eine Abweichung der Gewalt vondieser Regel des Rechts haben wir uns nicht so zu denken,als ob ausnahmsweise die Gewalt dem Recht das Heft ausder Hand risse, sondern als einen Akt der stets die Herr-schaft führenden Gewalt, bei dem sie nur ihren eigenenGrundsätzen untreu geworden ist, sich durch den Impulsdes Augenblicks hat hinreissen lassen ein Moment derSelbstvergessenheit, eine Inkonsequenz, ein Rückfall inihre ursprüngliche Zuchtlosigkeit.

Die im Bisherigen bekämpfte irrige Ansicht hat meines