Der Mensch — die Selbstbeherrschung der Gewalt. 247
machen. Auf jeder Stufe, auf der er sich befindet, derniedersten wie der höchsten, geleitet durch das eigeneInteresse, dient dem Menschen die zunehmende Einsichteben so sehr dazu, die Gewalt zu steigern als sie zumassigen, die Menschlichkeit, zu der er sich erhebt, istihrem ersten Ursprung nach nichts als die durch das wohl-verstandene eigene Interesse bestimmte Selbstbeherrschungder Gewalt.
Der erste Schritt auf dieser Bahn war die Sklaverei.Der Sieger, welcher den überwundenen Feind, anstatt ihnabzuschlachten, am Leben Hess, that es, weil er begriff,dass ein lebender Sklav werthvoller ist als ein lodterFeind, er schonte ihn aus demselben Grunde, warum derEigenthümer es beim Iiausthier thut, das serv-are desservus geschah zum Zweck des serv-ire.*) Aber ob auchdas Motiv ein rein egoistisches war, — einerlei, gesegnetsei der Egoismus, der den Werth des Menschenlebens er-kannte , und anstatt dasselbe in thierischer Wulh zu zer-stören, Selbstbeherrschung genug besass, es sich und da-mit der Menschheit zu erhalten. Erkenntniss des ökono-mischen Werthes des Menschenlebens ist der erste Ansatzzur Menschlichkeit in der Geschichte gewesen. Die Römernennen den Sklaven «homo» — es ist der Mensch, derweiter nichts ist als Mensch d. h. Thier, Arbeitsvieh, nicht
*) Das ist die römische Etymologie, s. die Stellen bei SchraderInstit. zu § 3 de jure pers. (1. 3), die zwar in dieser Fassung irrig,an der aber jedenfalls die Erkenntniss des sprachlichen Zusammen-hanges von servare und servire richtig ist.