244 Kap. VIII. Die sociale Mechanik. 2. Der Zwang.
den unterordnet. So gestaltet sich der Zwang für den Ge-zwungenen zu einem Mittel der Selbstbehauptung;der schwächere Hund, der, ohne den Kampf abzuwarten,dem stärkeren den Knochen überlässt, opfert den Knochen,um sein Leben zu behaupten. Gewalt ist die Behauptungdes eigenen Zweckes mit Negirung des fremden, Zwangdie durch die Einsicht und die dadurch bewirkte Nach-giebigkeit des Bedrohten hergestellte Verträglichkeit beiderZwecke. Kennte die Thierwelt bloss die Gewalt, so würdejeder Conflict zwischen zwei Thieren mit der Vernichtungdes schwächeren enden; dass sie auch den Zwang kenntd. h. dass das Thier den Grad der Einsicht hat, um dieblosse Drohung zu verstehen und ihr auszuweichen,ist in den Händen der Natur eines der wirksamsten Mittelgeworden, die Coexistenz des Schwächeren mit dem Stär-keren zu ermöglichen — dem Schwachen, dem sie dieKraft versagt, den Angriff zu bestehen, gibt sie alsErsatz die Furcht, sich ihm zu entziehen.
Den Fall des Zwanges, den wir im Bisherigen vorAugen hatten, haben wir oben als propulsiven Zwangbezeichnet, und er überwiegt in der Thierwelt in demMaasse, dass man in Versuchung kommen möchte, ihn fürden einzigen zu halten. Aber auch die Thierwelt kennteinzelne Fälle des compulsiven Zwanges ; und dieseErscheinung verdient im hohen Grade unsere Beachtung.Der interessanteste Fall ist der der Baubzüge der Ameisen,bei denen der eine Stamm, in Schlachtordnung aufgestellt,